Laborinformationen

Enterohämorrhagische Escherichia coli

EHEC sind Bakterien, die die Fähigkeit zur Bildung verschiedener Zytotoxine haben. Die weltweit am häufigsten isolierte Serogruppe ist 0157.

Im Mai 2011 traten im Rahmen eines Ausbruchs vor allem im Norden Deutschlands gehäuft EHEC-Erkrankungen mit teilweise schwerer Verlaufsform durch den Serotyp 0104:H4, der Shigatoxin 2 positiv ist, auf. Der Ausbruch wurde am 26.07.2011 vom Robert Koch-Institut (RKI) als beendet betrachtet.

Klinische Symptomatik einer Infektion

Die Inkubationszeit beträgt 3-4 Tage. Infektionen können unerkannt und klinisch unauffällig verlaufen. Es kann aber auch zu wässrigen, unblutigen Durchfällen kommen mit Übelkeit, Erbrechen, selten Fieber. Bei 10-20% der Erkrankten entwickelt sich eine hämorrhagische Kolitis mit blutigem Stuhl. Bei 5-10% der symptomatischen EHEC-Infektionen kann es zu hämolytischen Anämien, Thrombozytopenie und Nierenversagen (HUS) kommen. In der Akutphase liegt hier die Letalität bei ca. 20%. Eine HUS-Erkrankung tritt meist innerhalb 1 Woche nach Beginn der Symptomatik auf. Das RKI empfiehlt, dass Patienten mit blutigen Durchfällen umgehend einen Arzt aufsuchen.

Therapie

Eine Therapie kann nur symptomatisch erfolgen, eine antibiotische Therapie wird nicht generell empfohlen. In bestimmten Situationen kann der Einsatz von Antibiotika bei Patienen mit EHEC-Infektionen und Komplikationen (HUS) dennoch klinisch indiziert sein. Weitere Informationen hierzu finden Sie z. B. auf den Seiten der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (www.dgi-net.de).

Prävention

  • Rohmilch vor dem Verzehr abkochen
  • Hände gründlich mit Seife waschen vor der Zubereitung von Speisen, nach Kontakt mit rohem Fleisch
  • Rohes Fleisch getrennt von anderen Lebensmitteln lagern und zubereiten
  • Flächen und Küchengeräte nach Kontakt mit rohem Fleisch oder Verpackungen gründlich reinigen
  • Rohes Gemüse und Obst schälen oder gründlich waschen
  • Erhitzungsverfahren wie Kochen und Braten töten EHEC ab, wenn für mindestens 10 Minuten eine Temperatur von mindestens 70 °C im Kern des Lebensmittels erreicht wird
  • Nach Tierkontakt (z. B. auf Bauernhöfen oder Streichelzoos) Hände gründlich mit Wasser und Seife reinigen

Diagnostik

In folgenden Situationen besteht laut RKI die Indikation zur mikrobiologischen Untersuchung einer Stuhlprobe auf EHEC:

  1. a. wegen Diarrhoe hospitalisierte Kinder bis zum 6. Lebensjahr
  2. Durchfall und sichtbares Blut im Stuhl
  3. Patient ist direkt mit dem Herstellen, Behandeln oder Inverkehrbringen von Lebensmitteln befasst oder arbeitet in Küchen von Gaststätten oder sonstigen Einrichtungen mit/ zur Gemeinschaftsverpflegung (§ 42 Abs. 1 Nr.3 lit. a und b IfSG)
  4. Vorliegen eines HUS
  5. Kontaktpersonen von Patienten mit HUS
  6. Pädiatrische Patienten mit akutem Nierenversagen

In unserem Labor wird zur Untersuchung auf EHEC nach kultureller Anreicherung die Polymerase-kettenreaktion (PCR) zum Nachweis der Shigatoxine 1 und 2 durchgeführt, welche als derzeit sensitivste Methode empfohlen wird.

Als Untersuchungsmaterial benötigen wir Stuhlproben (bevorzugt durchfällige und schleimig-blutige Anteile, idealerweise 3 Stuhlproben von verschiedenen Defäkationen zur Steigerung der Sensitivität). Die Untersuchungsdauer beträgt 2 Tage. Die Untersuchung ist gesondert anzufordern, da sie nicht routinemäßig im Untersuchungsprogramm auf pathogene Darmkeime enthalten ist.

Es besteht eine Meldepflicht nach Infektionsschutzgesetz.

Meldepflicht

Nach § 6 IfSG ist der Krankheitsverdacht, die Erkrankung sowie der Tod an enteropathischem hämolytisch-urämischem Syndrom (HUS) namentlich meldepflichtig. Weiterhin ist nach § 6 IfSG der Verdacht auf und die Erkrankung an einer mikrobiell bedingten Lebensmittelvergiftung oder an einer akuten infektiösen Gastroenteritis meldepflichtig, wenn eine Person betroffen ist, die eine Tätigkeit im Sinne des § 42 IfSG ausübt oder wenn zwei oder mehr gleichartige Erkrankungen auftreten, bei denen ein epidemischer Zusammenhang wahrscheinlich ist oder vermutet wird.

Nach §7 besteht Meldepflicht für den direkten und indirekten Nachweis von Escherichia coli, enterohämorrhagische Stämme (EHEC).

Wichtig: Bitte geben Sie bei Kassenpatienten die Ausnahmeziffer 32006 auf der Anforderung an.

Weitere Informationen erhalten Sie auf den Webseiten des Robert-Koch Institutes (RKI): www.rki.de

Gute Tipps zur Vermeidung lebensmittelbedingter Erkrankungen erhalten Sie auf den Seiten des Bundesinstitutes für Risikobewertung: www.bfr.bund.de/cm/350/verbrauchertipps_schutz_vor_lebensmittelinfektionen_im_privathaushalt.pdf

Hygienemaßnahmen bei stationären Patienten

Bereits geringe Keimzahlen von 10-100 Erregern können für eine Infektion ausreichen.

Die hauptsächliche Infektionsquelle sind kontaminierte Lebensmittel. Bei mangelhafter Hygiene können auch Mensch-zu-Mensch-Übertragung durch fäkal-orale Schmierinfektion auftreten. Dies ist jedoch deutlich seltener beschrieben als der Infektionsweg über Lebensmittel.

In Anlehnung an die derzeitigen Empfehlungen des Robert Koch-Institutes (RKI) werden folgende Maßnahmen in stationären Einrichtungen empfohlen.

  • Isolierung der betroffenen symptomatischen Patienten im Einzelzimmer mit eigener Toilette.
  • Tragen eines Schutzkittels durch das Personal: bei möglichem Kontakt mit erregerhaltigem Material bzw. kontaminierten Gegenständen.
  • Tragen von Einmalhandschuhe: bei Tätigkeiten mit potenziellem Kontakt zu erregerhaltigem Material (Stuhl). Nach Kontakt zu erregerhaltigem Material Handschuhe sofort ausziehen, geeignet entsorgen und anschließende Händedesinfektion.
  • Händedesinfektion nach Kontakt zum Patienten bzw. vor Verlassen des Patientenzimmers
  • Fäkal verunreinigte Wäsche entsprechend gekennzeichnet in geeigneten Säcken entsorgen.
  • Tägliche Desinfektion der patientennahen Flächen und der Sanitäreinrichtung (Gezielte Desinfektionsmaßnahmen mit RKI- gelisteten Desinfektionsmitteln).
  • Übliche Nass-Scheuer-Wisch-Desinfektion von Medizinprodukten (einschließlich z.B. Stethoskope).
  • Schlussdesinfektion des Zimmers nach Verlegung oder Entlassung des Patienten

Ansprechpartner:

Dr. M. Holfelder

Dr. K. Oberdorfer

Dr. R. Schwarz

Dr. A.-M. Fahr

Prof. Dr. Hof

Telefon: 06221 / 3432 125

Stand: 23.8.2011