Laborinformationen

Ethylglucuronid - ein valider Parameter zur Abklärung von Alkoholmissbrauch

Eine im letzten Jahr publizierte Studie aus dem Institut für Klinische Chemie und Biochemie der Universität Magdeburg (Prof. Luley) hat unter Beteiligung unseres Labors neue Parameter auf Eignung als mittelfristige Marker zum Ethanolnachweis untersucht (1). Während andere Marker, wie Fettsäureethylester und 5-Hydroxytryptophol (5-HTOL) bzw. 5-Hydroxyindolessigsäure (5HIES) relativ schnell nicht mehr nachzuweisen sind, kann Ethylglucuronid, ein direkter Metabolit von Ethanol aus der Leber, je nach Alkoholkonsum im Urin noch 40 – 78 Stunden nach Einnahme nachgewiesen werden.

Die Bestimmung des Ethylglucuronids ermöglicht danach eine deutliche Erweiterung des diagnostischen Fensters, da der direkte Nachweis von Alkohol nur ca. 5 bis 7 Stunden nach Einnahme möglich ist.

Die konventionellen Parameter zur Feststellung eines länger andauernden Alkoholkonsums, wie die γGT, das MCV und das CDT weisen eher indirekte Wirkungen des Alkohols nach. Deshalb werden diese Parameter mit einer gewissen Skepsis bewertet, zumal auch andere Ursachen auffällige Veränderungen bewirken können, wie Lebererkrankungen, Anämien und im Falle des CDT eine Genvariante.

Das Einsatzgebiet für die Bestimmung von Ethylglucuronid im Urin liegt im Monitoring von kritischen Patienten über mehrere Tage hinweg, wie zum Beispiel beim Alkoholentzug. Auch kann es Rahmen betriebsärztlicher Untersuchungen sinnvoll sein, einen aktuellen wie auch die kürzlich zurückliegenden Alkoholkonsum feststellen zu können. Da das Ethylglucuronid in der Leber gebildet wird, kann ein Fehlen von Ethylglucuronid bei gleichzeitigem Nachweis von Ethanol im Blut oder Serum auf eine Kontamination von Blutproben mit z.B. alkoholischen Desinfektionsmittel deuten.

Interpretation für Ethylglucuronid im Urin:

Resultat (mg/l) Interpretation
< 0,1 Ein Alkoholkonsum kann nicht nachgewiesen werden
> 0,1 Ein Alkoholkonsum in den letzten 3 Tagen konnte sicher nachgewiesen werden