Laborinformationen

Neue Antikoagulanzien

Wir haben unser Analysenspektrum der Antikoagulanzien erweitert.

Ab 27.02. 2012 können wir die Messung der Aktivität von Fondaparinux (Arixtra®), Rivaroxaban (Xarelto®) und Dabigatran (Pradaxa®) anbieten.

Für die Beurteilung der Befundergebnisse sollten folgende Abnahmemodalitäten beachtet werden.

Fondaparinux (Arixtra®):

  • Material: ca. 3 ml Citratblut ( < 4 Std. alt) oder gefrorenes Citratplasma
  • Blutabnahme: 3 Std. nach s.c.-Applikation; bei i.v.-Gabe im steady state nach 3 – 5 Tagen

Rivaroxaban (Xarelto®):

  • Material: ca. 3 ml Citratblut ( < 4 Std. alt) oder gefrorenes Citratplasma
  • Blutabnahme: i.d.R. vor der nächsten Einnahme des Präparates (Talspiegel)
  • d.h. bei einmaliger täglicher Gabe: 24 Std. nach letzter Einnahme
    bei zweimaliger täglicher Gabe: 10 – 16 Std. nach letzter Einnahme

Dabigatran (Pradaxa®):

  • Material: ca. 3 ml Citratblut ( < 4 Std. alt) oder gefrorenes Citratplasma
  • Blutabnahme: i.d.R. vor der nächsten Einnahme des Präparates (Talspiegel)
  • d.h. bei einmaliger täglicher Gabe: 20 – 24 Std. nach letzter Einnahme
    bei zweimaliger täglicher Gabe: 10 – 16 Std. nach letzter Einnahme

Hilfreich für die Befundbeurteilung sind Angaben zu Indikation (z.B. Verdacht auf Überdosierung, präoperative Diagnostik, Blutungskomplikationen) und Dosierung.

Hinweis:

Fondaparinux, Dabigatran und Rivaroxaban beeinflussen kurzfristig Quick und aPTT, sowie weitere Gerinnungsparameter . Daher sollte auch für andere Gerinnungsanalysen unter obligater Therapie mit neuen Antikoagulanzien die Blutabnahme im Talspiegel erfolgen und ein Hinweis an das Labor gegeben werden.

Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion ist die Ausscheidung von Dabigatran beeinträchtigt und die Halbwertszeit verlängert, daher muss die Dosis lt. Fachinformation reduziert und der GFR angepasst werden.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten besonders CYP3A4-Induktoren wie z.B. Carbamazepin, Rifampicin, Phenytoin, Phenobarbital oder Johanniskraut können die Plasmakonzentration von Rivaroxaban senken.

Einfluss neuer Antikoagulanzien auf die Gerinnungsdiagnostik im Labor

Gerinnungstest Dabigatran (Pradaxa®) Rivaroxaban (Xarelto®) Fondaparinux (Arixtra®)
Quick % (TPZ) vermindert vermindert kein Effekt
INR erhöht erhöht kein Effekt
aPTT verlängert verlängert kein Effekt (Prophylaxe)
evtl.verlängert (Therapie)
Thrombinzeit stark verlängert kein Effekt kein Effekt
Fibrinogen (nach Clauss) kein Effekt (Prophylaxe)
evtl.vermindert (Therapie)
kein Effekt kein Effekt
D-Dimer kein Effekt kein Effekt kein Effekt
von-Willebrand-Faktor:Ag kein Effekt kein Effekt kein Effekt
Antithrombin erhöht kein Effekt kein Effekt
Protein S erhöht (clotting) erhöht (clotting) erhöht (clotting)
Protein C kein Effekt (chromogen) kein Effekt (chromogen) kein Effekt (chromogen)
Lupus Antikoagulans erhöht erhöht kein Effekt
von-Willebrand-Faktor:Ag kein Effekt kein Effekt kein Effekt
Einzelfaktoren      
Faktoren II, V, VII, X vermindert vermindert evtl.vermindert (Therapie)
Faktoren VIII, IX, XI, XII vermindert vermindert vermindert
Faktor XIII kein Effekt kein Effekt kein Effekt

*Beeinflussung der Gerinnungsteste hängt vom Zeitpunkt der Blutentnahme ab; Tabellenangabe entspricht Peakspiegel

 

Fondaparinux-Therapie:Thrombophilie-Diagnostik ohne Beeinflussung der Messwerte möglich.
Ausnahme: Protein S (clotting), Faktor VIII

Dabigatran-Therapie: Lupus Antikoagulanz, Protein S (clotting) werden falsch zu hoch gemessen

Rivaroxaban-Therapie: Lupus Antikoagulanz, Protein S (clotting) werden falsch zu hoch gemessen

Die Datenlage für neue Antikoagulantien erweitert sich ständig und erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit! Bitte zusätzlich die Empfehlungen der Fachinformationen beachten.

Literatur:

  • Fachinformationen Boehringer-Ingelheim 8/2011
  • Fachinformation Xarelto 12/2011
  • Die Einflüsse von Antikoagulanzien auf Routine- und Spezialdiagnostik im Gerinnungslabor, in Zusammenarbeit mit Fr. Prof. Dr. E. Lindhoff-Last und Herrn PD Dr. D. Peetz. 2010 Roche Diagnostics