Laborinformationen

Molekulare Diagnostik der Thrombophilie: FV-Leiden / FII - 20210A Kombitest

Die wichtigsten bekannten angeborenen Risikofaktoren für Thrombosen sind die Faktor V-Leiden Mutation (FV Leiden) und die Prothrombin-Mutation G20210A sowie wesentlich seltener quantitative und qualitative Defekte von Protein S, Protein C und Antithrombin III.

Faktor V-Leiden:
(Synonyme: APC-Genotyp, FV Q506, FV R506Q, FV G1691A)

Von allen angeborenen Risikofaktoren ist der Faktor V-Leiden mit einer Prävalenz von ca. 5% in der Normalbevölkerung der häufigste.
Der heterozygote Defekt ist mit einem 5-10 mal, der homozygote Defekt mit einem 50-100 mal erhöhten venösen Thromboserisiko verbunden. Zur Manifestation von Thromboembolien kommt es bei Merkmalsträgern häufig während der Schwangerschaft, unter der Einnahme von oralen Kontrazeptiva, bei Immobilisation und nach Operationen.
Beim FV-Leiden handelt es sich um eine Punktmutation von Guanin (G) nach Adenin (A) im Faktor V Gen auf Chromosom 1 an Position 1691, wodurch ein Aminosäurenaustausch von Arginin durch Glutamin an Position 506 des FV-Moleküls resultiert.
Der FV-Leiden kann durch aktiviertes Protein C nur unzureichend inaktiviert werden, dadurch kommt es zu einer gesteigerten Gerinnungsneigung. Die Messung der APC-Resistenz im Funktionstest gilt als einfacher Suchtest für die FV-Leiden-Mutation, eine sichere ldentifikation sowie die Unterscheidung von heterozygoten und homozygoten Merkmalsträgern ist jedoch nur auf DNS-Ebene möglich.

Prothrombin-Mutation G20210A

Die Prothrombin-Mutation G20210A ist sowohl mit venösen wie arteriellen Thrombosen assoziiert.
Die Häufigkeit beträgt 1-3% in der europäischen Bevölkerung. Der heterozygote Defekt ist mit ca. 3 mal erhöhtem Risiko für tiefe venöse Thrombosen verbunden, homozygote Merkmalsträger wurden bisher nur wenige gefunden.
Junge weibliche Raucherinnen mit der Prothrombin-Mutation G20210A haben ein 4-6 mal erhöhtes Risiko für Myokardinfarkte. Das Risiko für Hirnvenenthrombosen ist für Merkmalsträger 10 mal erhöht, unter der Einnahme von oralen Antikonzeptiva sogar 150 mal.
15-40% der Thrombosepatienten, die heterozygote Träger der FV-Leiden-Mutation sind, sind zusätzlich heterozygot für die Prothrombin-Mutation G20210A, so daß durch die Kombination beider Mutationen das Thromboserisiko vermutlich deutlich steigt.
Die Prothrombin-Mutation G20210A ist charakterisiert durch einen Austausch von Guanin (A) nach Adenin (A) an Position 20210 der nichttranslatierten Region des Prothrombingens auf Chromosom 11, wodurch erhöhte Prothrombinkonzentrationen im Plasma entstehen. Die Messung der Prothrombinaktivität im Plasma ist als Suchtest für die Prothrombin-Mutation G20210A jedoch ungeeignet.

Einsatz des FV-Leiden / FII-20210A Kombitests:

Der Test dient zur einfachen und sicheren Identifizierung von Trägern der Faktor V-Leiden-Mutation und / oder der Prothrombin-Mutation G20210A sowie der Unterscheidung zwischen heterozygoten und homozygoten Merkmalsträgern.
Der Test sollte durchgeführt werden bei Patienten mit Thrombosen, Blutsverwandten von Merkmalsträgern, bei familiärer Thrombophilie, bei APC-Resistenz, bei jugendlichen Myokardinfarkten, vor oraler Kontrazeption mit Östrogenen oder vor oraler Östrogensubstitution in der Menopause.
Der Kombitest verursacht keine höheren Kosten als die Bestimmung einer Mutation alleine!

Untersuchungsmaterial: 3 ml EDTA-Blut