Laborinformationen

Tuberkulose-Diagnostik - Interferon-Gamma-Release Assay (IGRA)

Nachweis der stimulierten Interferon-gamma-Ausschüttung von Mycobacterium tuberculosis-spezifischen T-Lymphozyten

Weltweit sind nach den Zahlen der WHO ca. 9,4 Millionen Neuerkrankungen an Tuberkulose pro Jahr mit 1,8 Millionen Todesfällen zu verzeichnen. Durch die Migration aus den Hoch-Prävalenz-Gebieten (Osteuropa, Asien, Afrika) auch mit hoher HIV-Prävalenz (Abb. 1) kann in den westlichen Ländern das Risiko einer TB-Erkrankung ansteigen, obwohl es derzeit in Deutschland zu einer Abnahme der Neuinfektionen kommt (Abb. 2). In Deutschland verlaufen die meisten TB-Infektionen als latente Infektionen (LTBI) d. h. als Infektion mit Persistenz vitaler Bakterien im Organismus ohne Organbefund, bzw. ohne Erkrankung.

Diagnostik:

  • Die Diagnose einer aktiven Lungen-TB ist durch die Kombination verschiedener klassischer Methoden meistens möglich: Anamnese, Bildgebung, Sputum-Mikroskopie, Kultur, ggf. Nukleinsäureamplifikation (NAT), invasive Verfahren.
  • Die Diagnose einer LTBI stützt sich dagegen auf immunologische Verfahren. Bisher wurde der Tuberkulinhauttest (THT) eingesetzt mit den bekannten Unzulänglichkeiten. Seit ein paar Jahren sind neue immunologische Testmethoden, die Interferon-Gamma-Release Assays (IGRAs) verfügbar (QuantiFERON-TB Gold In-Tube [ELISA]) und T-SPOT.TB [ELISPOT]
Abb1.
Abb2.

Labormethode

Nachgewiesen wird die Interferon-ץ-Bildung von T-Effektorzellen, die mit den oben genannten für M. tuberculosis spezifischen Antigenen stimuliert werden.

Die Blutentnahmeröhrchen des „QuantiFERON-TB Gold-Tests im Teströhrchen“ sind mit einer Kombination dieser Antigene beschichtet, die die T-Zellen in der Vollblutprobe des Patienten stimulieren. Bei vorausgegangenem Kontakt mit M. tuberculosis schütten die T-Zellen das Zytokin Interferon-ץ (IFN-ץ) in das Plasma aus, das mit Hilfe eines ELISA-Tests gemessen wird. Bei dem T-SPOT.TB-Test werden die M. tuberculosis-spezifischen T-Zellen im peripheren Blut nachgewiesen. Die im Testansatz vorhandenen spezifischen Antigene von M. tuberculosis führen zu einer Aktivierung der Effektor-T-Lymphocyten, die mittels ELISPOT-Technologie nachgewiesen werden.

QuantiFERON-TB Gold In-Tube: Sensitivität 81-84%, Spezifität 99% (d.h. fast keine falsch pos.!)

T-SPOT.TB: Sensitivität 88-89%, Spezifität 86%

Tuberkulin-Hautreaktion Sensitivität 70%

Zusätzlich wird die generelle Stimulierbarkeit der T-lymphozytären IFN-ץ-Bildung untersucht, um falsch negative Testergebnisse zu verhindern. Auf diese Weise ist zusätzlich auch eine Aussage hinsichtlich der T-Zell-vermittelten Immunitätslage möglich.

 

Einsatzmöglichkeiten

Generell ist der Test geeignet zur Untersuchung von Personen, die Kontakt mit Tuberkelbakterien hatten

  • Verdacht auf eine aktive Tuberkulose, ersetzt aber nicht die kulturellen Nachweisverfahren
  • Verdacht auf eine latente Tuberkulose Infektion(LTBI)
  • Umgebungsuntersuchung von Kontaktpersonen bei nachgewiesenen Fällen mit offener TB.
  • Screening von Mitarbeitern im Gesundheitswesen auf frühere TB-Infektion.
  • Nachweis einer LTBI vor Start einer immunsuppressiven Therapie, z. B. bei Einsatz von TNF-hemmenden Substanzen zur Rheumatherapie
  • Screening von immunsuppimierten Patienten unter Berücksichtigung der Anzahl der CD4-Zellen
  • Unterscheidung zwischen TB-Infektion und NTM-Infektion
  • Die IGRA-Teste können nicht zwischen aktiver TB und LTBI unterscheiden.

 

Der Test sollte nicht eingesetzt werden zur Therapiekontrolle bei Tuberkulose-Erkrankungen und zur Diagnostik bereits anbehandelter Patienten, da in diesen Fällen noch keine ausreichenden Erfahrungen vorliegen.

 

Vorteile der IGRA-Teste

  • Die Teste werden durch eine frühere BCG-Impfung nicht beeinflusst
  • Infektionen mit den meisten NTM zeigen keine Kreuzreaktion im TB-Test
  • Ein weiterer Besuch des Patienten in der Praxis, wie er zum Ablesen des THT notwendig ist, entfällt
  • Subjektive Einflüsse, die bei der Bewertung des THT eine Rolle spielen können, sind durch das standardisierte Testverfahren ausgeschlossen
  • Unter Berücksichtigung der Kontrollen ist der Test auch bei Patienten mit Immunschwäche (z. B. HIV) einsetzbar
  • Einsetzbar bei Kindern und Kleinkindern

 

Folgende Algorithmen sollen eine Hilfestellung geben:

Verdacht auf LTBI:

(z. B. nach Kontakt zu infektiöser TB)

  • Klassische TB-Hautteste oder gleich einen IGRA: Wenn IGRA negativ, dann ist die Diagnose unwahrscheinlich (gute Ausschlussdiagnostik), dennoch evtl. weitere Kontrollen und/oder andere Methoden.
  • Wenn IGRA positiv, dann Bildgebung und evtl. weitere Diagnostik: Sputum/Mikroskopie, Kultur, NAT, Histologie, etc.
  • Wenn nur IGRA positiv, dann V.a. LTBI-Chemoprävention?
  • Wenn auch Röntgen und/oder weitere Diagnostik positiv, dann V.a. aktive TB-Therapie.

 

Verdacht auf aktive TB:

(z. B. bei Therapie-refraktärer Pneumonie, Husten ungeklärter Äthologie, etc)

  • Dann gleich: Anamnese, Bildgebung, 3x (induziertes) Sputum/Mikroskopie, Kultur, NAT, Histologie, etc. (ohne vorher IGRA).
  • Wenn Diagnostik positiv, dann aktive TB-Therapie.

Untersuchungsmaterial und Präanalytik des QuantiFERON-TB Gold-Testes

Für diesen Test, der bei uns im Labor durchgeführt wird, sind spezielle Abnahmeröhrchen notwendig, die von uns auf Anforderung kostenlos bereit gestellt werden. Da bei uns die Spezialröhrchen nur in gleicher Anzahl wie Laborteste vorrätig sind, bitten wir Sie, nur so viele Abnahmebestecke zu bestellen, wie tatsächlich benötigt werden.

  • Die Röhrchen sollen bei der Blutentnahme eine Temperatur von 17-25°C aufweisen.
  • In jedes Röhrchen je 1 ml venöses Blut abnehmen (schwarze Markierungslinie).
  • Unmittelbar nach Entnahme die Röhrchen 10x über Kopf hin- und herdrehen.
  • Nicht schütteln!

Das Material sollte nach Abnahme so schnell wie möglich im Labor eintreffen. Daher empfiehlt sich eine Abnahme am Vormittag vor Eintreffen des Labor-Kuriers. Die Proben nicht kühlen oder einfrieren; Lagerung und Probentransport erfolgt bei Raumtemperatur. Falls eine sachgemäße Inkubation vor Ort möglich ist, ist dies anzustreben, Informationen sind im Labor erhältlich.

Zum Zeitpunkt bis zu einem positiven Ausfall des QuantiFERON-TB Gold-Testes nach Kontakt mit einem TB-Patienten liegen noch nicht genügend Untersuchungen vor. Derzeit wird hier die gleiche Vorgehensweise wie beim THT empfohlen.

Für weitere Fragen stehen wir Ihnen gerne zu Verfügung

Dr. R. Schwarz, Dr. A.-M. Fahr, Dr. M. Holfelder: Tel.: 06221-34 32 –345/125/324
Dr. J. Bartel, Dr. M. Weizenegger: Tel.: 06221-34 32 137/174

Literaturverzeichnis

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Stand: November 2011