Laborinformationen

Merkblatt Rotaviren

Erreger:
Rota-Viren enthalten eine Doppelstrang-RNS ohne Hüllenmembran und zählen zur Gruppe der Reoviridae. Sie werden in die Gruppen A, B, C-G sowie die Subgruppen AI, II und III sowie Typen (1,2,3,4 und 5) eingeteilt. Die Gruppen- und Untergruppenspezifität wird durch die inneren, die Typenspezifität durch die äußeren Kapsidantigene bestimmt.
Alle Typen sind umweltstabil und als hochkontagiös einzustufen.

Vorkommen:
Seit 1973 konnten Rota-Viren als ätiologisches Agens der akuten Gastroenteritis in allen Teilen der Welt nachgewiesen werden (Rockstroh 1979).
Die akute Rotaviren-Gastroenteritis tritt in allen Lebensaltern, vorwiegend jedoch im Säuglings- und Kleinkindalter bis zu 3 Jahren auf. Bei Kindern über 6 Jahren und bei Erwachsenen werden Rotavirus–Infektionen nur selten beobachtet.

Reservoir:
Hauptreservoir für Rota-Viren ist der Mensch. Auch im Tierreich sind Rotaviren weit verbreitet, jedoch besitzen diese Viren keine größere Bedeutung für Erkrankungen beim Menschen.

Infektionsweg:
Als Übertragungsweg wird im eine fäkal-orale Übertragung (Schmierinfektion) angenommen. Der Weg der Tröpfcheninfektion ist als Übertragungsweg nicht eindeutig geklärt. 101 bis 102 Partikel wirken bereits krankheitserzeugend, im Stuhl können bei Erkrankten bis zu 1011 Partikel ausgeschieden werden. Außerhalb des Menschen ist das Viruspartikel sehr stabil.
Durch direkten Kontakt von Patient zu Patient und vom Patient auf das Pflegepersonal oder möglicherweise auch durch kontaminierte Gegenstände kann es leicht zu Übertragungen und zu nosokomialen Infektionen und Ausbrüchen insbesondere auf Säuglings- und Kinderstationen, geriatrischen Einrichtungen sowie Alten- und Pflegeheimen kommen. Eine Übertragung der Rotaviren von erkrankten Kindern auf Erwachsene, insbesondere auf die Eltern und das Pflegepersonal des Krankenhauses ist nicht selten. Da bei Erwachsenen das klinische Bild der Erkrankung mit Rotaviren oft wenig ausgeprägt ist, besteht besonders die Gefahr der Übertragung der Rotaviren von inapparenten Pflegepersonen oder Besuchern (insbesondere auch Kinder) auf Patienten und Neugeborene.
Eltern, die erkrankte Kinder mitpflegen, sollten bezüglich der speziellen Pflege-und Desinfektionsmaßnahmen unterrichtet werden.

Inkubationszeit und Klinik:
Die Inkubationsperiode beträgt im allgemeinen zwischen 1 bis 3 Tage, die Erkrankungsdauer im Durchschnitt 4 bis 7 Tage. Im Winterhalbjahr zeigen sich deutliche Häufungen an Rotavirus-Erkrankungen.
Das Krankheitsbild ist gekennzeichnet durch die Trias wässrige Diarrhoe, Erbrechen und Fieber. Bauchschmerzen sind selten, eine Dehydratation liegt in der Hälfte der Fälle vor. Gelegentlich finden sich begleitend Infekte der oberen Luftwege. Selten kommt es zu Fieberkrämpfen, Enzephalitis sowie hämorrhagischem Schock.

Diagnostik:
Da die maximale Virusausscheidung zwischen dem dritten und fünften Tag nach Erkrankungsbeginn liegt, sollte spätestens bis zum fünften Erkrankungstag eine Stuhlprobe zum Untersuchungslabor gesendet werden.
Die Untersuchung erfolgt mit Hilfe eines ELISA- oder Agglutinationstests, ebenso kann der direkte Nachweis im Elektronenmikroskop erfolgen. Andere Nachweismethoden wie z.B. Radioimmunteste oder Umwandlungselektrophorese sind weniger verbreitet. Serologische Nachweise von Rotaviren-Antikörpern spielen nur eine untergeordnete Rolle.

Therapie:
Entscheidend ist die Flüssigkeits- und Elektrolytsubstitution sowie eine symptomatische Therapie. Eine kausale antivirale Therapie steht nicht zur Verfügung.

Literatur:

  • Epidemisches Bulletin des RKI, Erkrankungen durch Rotaviren, 10/2002
  • Richtlinie für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention, herausgegeben vom Robert Koch-Institut (RKI), Ziffer 5.1 Infektionsprävention Enteritis infectiosa (Erreger bekannt)
  • Beck, Eickmann und Tilkes, Hygiene im Krankenhaus und Praxis, I-12 Nosokomiale Virus-Infektionen, ecomed Verlag, 12/2001, S. 1-4
  • Hahn, Falke, Kaufman, Ullmann, Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, Virus-Gastroenteritis/ Rota-Viren, Springer Verlag Berlin, Heidelberg etc., 3. Auflage 1999, Kap. 9, S. 588-590
  • Davis, B.D. et.al, Microbiology, Virology, Harper International Edition, 3. Auflage 1980