Quecksilbernachweis

Indikation: V.a. akute oder chronische Quecksilberintoxikation

Quecksilber (Hg) ist ein Schwermetall und das einzige bei Raumtemperatur flüssige Metall.

Verwendung: Quecksilber findet Verwendung in der Zahnmedizin (Amalgamfüllungen), in Desinfektions- und Konservierungsmitteln, Thermometern, Batterien, Leuchtstoffröhren.

Umweltmedizinische Relevanz

  • Hg-Dampf aus Altlasten in Innenräumen (z.B. aus zerbrochenen Quecksilberthermometern und Energiesparlampen)
  • Hg-Dampf bzw. -Abrieb aus Amalgamfüllungen
  • Organisch gebundenes Hg in Fischen
  • Fallberichte betreffen Medikamente aus der traditionellen chinesischen oder indischen Medizin

 

Aufnahme

  • Peroral

Nach oraler Aufnahme werden Quecksilbersalze bis zu 10% und organisches Hg (Fischkonsum!) zu über 90% resorbiert.

  • Inhalativ

Aufgenommener Hg-Dampf wird zu ca. 80%, organisches Hg zu über 90% resorbiert.

  • Perkutan

Die Aufnahme anorganischer Quecksilberverbindungen über die Haut ist i. d. R. gering. Nach Anwendung von HgJ2 oder Präzipitat in Salben und Seifen oder nach Wundbehandlung mit Merbromin ist die Resorption toxisch relevanter Konzentrationen beschrieben.

Die wichtigsten Aufnahmequellen für Quecksilber sind der regelmäßige Verzehr quecksilber-belasteter Fische und das Tragen von Amalgamfüllungen. 

 

Wirkung auf den Menschen

Akute Intoxikation

Pneumonie, Lungenödem, Polyneuropathie, ZNS-Symptome,

Stomatitis, Ösophagitis, Gastroenteritis, Metallgeschmack, Nierenschäden, Hypertonie, Tachykardie, Arrhythmien, Kopfschmerzen

Chronische Intoxikation

Diverse neurologische Symptome (z.B. Intentionstremor, erhöhte Reizbarkeit, Gedächtnis-störungen, Verhaltensstörungen, Müdigkeit, Schlaflosigkeit, Delirium), Nierenschäden. Bei Kindern: Akrodynie (Flush, Pruritus, Schwellungen, Tachykardie, Exanthem u.a.)

Eine Quecksilberexposition während der Schwangerschaft kann zu Verhaltensstörungen der Kinder führen. Hohe Belastungen sind mit fetalen ZNS-Entwicklungsstörungen mit der Folge geistiger Retardierung assoziiert.

 

Umweltmedizinische Richtwerte (bei Fischkonsum von bis zu 3x/Monat)

(I.d.R. 95. Perzentile einer repräsentativen Stichprobe. Keine Aussage über Gefährdung, Toxizität, Gesundheitsschäden)

Erwachsene

Richtwert

HBM-I

HBM-II

Hg im Blut

< 2 µg/l

< 5 µg/l

< 15 µg/l

Hg im Urin

< 1 µg/l

< 7 µg/l

< 5 µg/g Kreatinin

< 25 µg/l

< 20 µg/g Kreatinin

 

 

Kinder (3-14 J.)

Richtwert

HBM-I

HBM-II

Hg im Blut

< 0,8 µg/l*

< 5 µg/l

< 15 µg/l

Hg im Urin

< 0,4 µg/l*

< 7 µg/l

< 5 µg/g Kreatinin

< 25 µg/l

< 20 µg/g Kreatinin

 

* ohne Amalgamfüllungen

 

Bei Unterschreitung des HBM-I-Wertes und gleichzeitiger Überschreitung des Richtwertes, liegt eine Exposition vor, die die Hintergrundbelastung überschreitet.

Human-Biomonitoring-Werte (HBM)

Diese werden von der HBM-Kommission des Umweltbundesamtes aus toxikologischen oder epidemiologischen Untersuchungen abgeleitet.

HBM-I: Konzentration, bei dessen Unterschreitung nicht mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung zu rechnen ist. Prüf- oder Kontrollwert.

HBM-II: Bei einer Überschreitung sind gesundheitliche Beeinträchtigungen möglich. Eine um-weltmedizinische Betreuung ist indiziert. Es sind Maßnahmen zur Belastungsreduktion zu treffen. Interventions- oder Maßnahmenwert.

 

Arbeitsmedizin

Hinsichtlich arbeitsmedizinischer Belastungen ist für Quecksilber und seine anorganischen Verbindungen im Urin ein BAT-Wert (Biologischer Arbeitsstoff-Toleranz-Wert) von 25 µg/g Kreatinin festgelegt.

 

Analytik:  ICP-MS (Induktiv-gekoppelte Plasma-Massenspektroskopie)

Untersuchungsmaterial

Für umweltmedizinische Fragestellungen

  • Bei V.a. akute Belastung: Mindestens 1 ml EDTA- oder Heparin-Blut
  • Bei V.a. chronische Belastung: Mindestens 1 ml Spontanurin (am besten Morgenurin)

Für arbeitsmedizinische Fragestellungen

  • Bei Belastung mit organischen Hg-Verbindungen: Mindestens 1 mL EDTA- oder Heparin-Blut
  • Bei Belastung mit anorganischen Hg-Verbindungen: Mindestens 1 mL Spontanurin

 Zum Fachbereich Drogenanalytik und Toxikologie

 

STAND: 03/2018

Literatur:

  • Umweltbundesamt: Stoffmonographie Quecksilber,1999
  • Umweltbundesamt: Addendum zur Stoffmonographie Quecksilber, 2009
  • WHO: Guidance for Identifying Populations at Risk from Mercury Exposure
  • Umweltmedizinische Leitlinie Human-Biomonitoring, 2011
  • Leitlinien der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin, 2005
  • Lothar Thomas, Labor und Diagnose, 2012
  • Harrison, Innere Medizin, 19. Auflage, 2016
  • MAK- und BAK-Werte-Liste, 2017
  • Arbeitsmedizinische Leitlinie “Biomonitoring”, 2013