Laborinformationen

Anti-Müller-Hormon (AMH): ein valider Marker der ovariellen Funktionsreserve im Rahmen der Sterilitätsdiagnostik

Während der Embyonalentwicklung spielt AMH eine Rolle in der Geschlechtsdifferenzierung: beim männlichen Feten wird es von den Sertolizellen gebildet und führt zur normalen Entwicklung der männlichen Genitalien.

Bei weiblichen Feten fehlt AMH, was zur Ausbildung der inneren weiblichen Geschlechtsorgane führt.

Mit Beginn der Pubertät wird AMH bei der Frau von den Granulosazellen der heranwachsenden Follikel des Ovars, nicht jedoch von den Primordialfollikeln und auch nicht von den unter direkter FSH-Regulation stehenden, antralen Follikeln im Endstadium des follikulären Wachstums, gebildet. Da AMH nur von den potentiell reifungsfähigen Primärfollikeln und den Sekundärfollikeln gebildet wird, ist AMH ein idealer Marker der ovariellen Funktionsreserve. Es besteht eine sehr gute Korrelation zwischen dem Serum-AMH-Spiegel und der Anzahl der potentiell reifungsfähigen Follikel und somit der Funktionsreserve des Ovars [1].

Die Vorhersagefähigkeit von AMH bezüglich der Ansprechrate auf eine ovarielle Stimulation ist deutlich besser als diejenige von z. B. lnhibin B [1]. Weiterer Vorteil der AMH-Bestimmung gegenüber lnhibin B und FSH zur Abschätzung der ovariellen Funktionsreserve ist die Tatsache, dass AMH keinen zyklusabhängigen Schwankungen unterliegt. Anders als bei FSH und lnhibin B, bei denen die Untersuchung in einem engen Zeitfenster des Zyklus (3.-5. ZT) erfolgen sollte, kann AMH zu jedem beliebigen Zeitpunkt des Menstruationszyklus untersucht werden [4]. Auch unter Ovulationshemmer-Einnahme ist eine zuverlässige Aussage der Ovarfunktion mittels AMH-Bestimmung möglich.

Mit zunehmendem Alter sinkt der AMH-Spiegel der Frau entsprechend dem Verlust an ovarieller Funktionsreserve kontinuierlich ab. Dabei ist ein signifikanter Abfall schon vor einem eindeutigen Anstieg des FSH nachweisbar [1]. Der AMH-Spiegel fällt im Mittel fünf Jahre vor Eintreten der letzten Regelblutung unter die Nachweisgrenze von 0,2 µg/l [6].

Erniedrigte Werte sprechen für eine eingeschränkte ovarielle Funktionsreserve und ein schlechtes Ansprechen auf eine ovarielle Stimulation. Patientinnen mit niedrigen AMH-Werten benötigen signifikant höhere rFSH-Dosen, als Frauen mit hohen/normalen Spiegeln [4].

Erhöhte Werte können andererseits ein Hinweis auf ein PCO-Syndrom sein. Hier werden z. T. deutlich erhöhte AMH-Spiegel im Serum gemessen.

Normbereich Frauen in der Reproduktionsphase: 1-8 µg/l

Notwendiges Material: 1 ml Serum

Postversand möglich.

Literatur:

[1] de Vet A et al., Fertil Steril 2002; 77: 357-362

[2] Meduri G et al., Hum Reprod 2007;22(1): 117–123,

[3] Durlinger ALL et al., Reproduction 2002; 124: 601-609

[4] La Marca A et al., Hum Reprod 2006; 21(12): 3103–3107

[5] Visser JA et al, Reproduction 2006; 131: 1-9

[6] Sowers MR et al., JCEM 2008; 93: 3478-3483