Laborinformationen

CT-proAVP (Copeptin) ein neuer Biomarker in der Abklärung des Diabetes insipidus

Das Polyurie-Polydipsie-Syndrom wird als erhöhte Flüssigkeitsaufnahme und Urinausscheidung bei erniedrigter Urinosmolalität und erhöhter Serumosmolalität definiert. Pathophysiologisch lassen sich unterschiedliche Formen des Polydipsie-Polyurie-Syndroms unterscheiden. Hierzu zählen unter anderem die primäre Polydipsie sowie der zentrale und renale Diabetes insipidus. Für die Diagnosestellung ist die Vasopressin (ADH)-Bestimmung die Methode der Wahl. Die Messung von ADH ist zwar seit Jahren in der Routine etabliert, allerdings aufgrund der sehr stringenten präanalytischen Vorgaben hinsichtlich Probengewinnung und Aufbereitung problematisch (s. Tabelle).

In mehreren Studien konnte nachgewiesen werden, dass Copeptin ein stabiles ADH-Äquivalent ist.

CT-proAVP (Carboxy-terminales-pro Arginin Vasopressin) bzw. Copeptin ist ein aus 39 Aminosäuren bestehendes Glykopeptid. Die Synthese erfolgt in den parazellulären Neuronen des Hypothalamus als der C-terminale-Teil des ADH-Prä-Prohormons. Dieses wird proteolytisch in drei Peptide (ADH, Neurophysin II und Copeptin) gespalten.

Anschließend wird Copeptin im Hypophysenhinterlappen gespeichert und auf hämodynamische, osmotische Stimuli ins Blut freigesetzt.

ADH und Copeptin zeigten in mehreren Studien eine signifikante Korrelation. Bei Osmolalitäts- und Volumenänderungen spiegelt die Copeptin-Sekretion die ADH-Sekretion wider und hat eine höhere bzw. bessere diagnostische Aussagekraft. Copeptin ist als Biomarker dem ADH in der Differenzialdiagnose des Polyurie-Polydipsie-Syndroms überlegen.

Die Copeptin-Bestimmung bietet gegenüber der ADH-Messung mehrere Vorteile:

Copeptin ADH
Copeptin ist im Serum und EDTA-Plasma bei Raumtemperatur für 7 Tage stabil ADH ist nur bei Lagerung bei -20°C im EDTA- Plasma stabil
Untersuchungsmaterial-Serum-ermöglicht auch parallele Bestimmung des osmotischen Drucks aus der gleichen Probe Unterschiedliche Untersuchungsmaterialien für ADH (EDTA-Plasma) und osmotischen Druck (Serum)
Testdauer: ca. 3 Stunden Die Ergebnisse sind aufgrund langdauernder Inkubationsschritte erst nach 72 Stunden erhältlich
niedriges Probenvolumen (50 μl) Probenvolumen (400 μl), häufig problematisch bei Kindern
Copeptin ist nicht signifikant an Thrombozyten gebunden Mehr als 90% des zirkulierenden ADH binden sich an Thrombozyten, dadurch kann es fälschlicherweise zu erhöhten oder schwankenden ADH-Spiegeln kommen
hohe analytische Sensitivität Die analytische Sensitivität liegt innerhalb des Referenzbereiches, keine Differenzierung bei niedrigen Werten möglich

Die Copeptin-Werte beim Polyurie-Polydipsie-Syndrom ermöglichen - bei Blutentnahmen morgens nüchtern nach 8 Stunden Flüssigkeitskarenz - eine Differenzierung zwischen Diabetes insipidus centralis und Diabetes insipidus renalis.

Zentraler Diabetes insipidus totalis
Sensitivität: 95%
Spezifität: 100%
Weitere Abklärung im
Durstversuch bei inadäquat
erhöhter Serumosmolalität erforderlich
Renaler Diabetes insipidus
Sensitivität: 100%
Spezifität: 100%
Copeptin
< 2,6 pmol/l
Copeptin
2,6 - 20,0 pmol/l
Copeptin
> 20,0 pmol/l

Copeptin ist auch ein relevanter Marker für akuten, endogenen Stress. Bei schweren Erkrankungen oder Zuständen wie Schock, Sepsis, Schlaganfall oder kardiovaskulären Erkrankungen (Myokardinfarkt) ist hingegen ein nicht osmotisch bedingter, steiler Anstieg von Copeptin zu beobachten.

Untersuchungsmaterial: Serum oder EDTA-Plasma

Verantwortlich für den Inhalt / Medizinische Beratung: Helene Derksen Tel. 06221 / 3432-557

Literatur:

  • Szinnia G., Morgenthaler N.G, Struck J.,Berneis K., Müller B., Keller U., Christ-Crain M. Changes in plasma Copeptin, the C-terminal portion of arginine vasopressin during water deprivation and excess in healthy subjects. The Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism 2007, 92(10): 3973-3978
  • Morgenthaler N.G., Struck J., Jochberger S., Dünser M.W. Copeptin: Clinical use of a new biomarker. Trends in Endocrinology and Metabolism 2008, 19(2): 43-49
  • Fenske W., Quinkler M., Lorenz D., Zopf K., Haagen U., Papassotiriou M., Pfeiffer A.H., Fassnacht M., Störk S., Allolio B. Copeptin in the differential diagnosis of polyuria-polydipsia syndrome: revisiting the direct and indirect water deprivation test. The Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism 2011(2): 2010-2345
  • Morgenthaler N.G, Struck J, Alonso C., Bergmann A. Assay for the measurement of copeptin, a stable peptide derived from the precursor of vasopressin. Clinical Chemistry 2006, 52(1): 112-119
  • Fenske W., Christ-Crain M. Stellenwert von CT-proAVP (Copeptin) in der Abklärung des Polyurie-Polydipsie Syndroms. Med. Welt 2011 (1): 3-8
  • Reichlin T., Hochholzer W., Stelzig C., Laule K., Freidank H., Morgenthaler N.G., Bergmann A., Potocki M., Noveanu M., Breidhardt T. Incremental Value of Copeptin for rapid rule out of acute myocardial infarction. The Journal of American College of Cardiology 2009, 54(1): 60-68