Laborinformationen

Patientenmanagement und Diagnostik

Der bisher größte Ausbruch des Ebolafiebers in Guinea hat sich seit Ende 2013 kontinuierlich ausgeweitet. Daher ist das Auftreten von Verdachtsfällen auch in Deutschland nicht auszuschließen. Da das Virus hoch pathogen ist (über 2400 registrierte Erkrankte, mehr als 1300 sind bereits verstorben, Stand: 21.08.2014), muss im Umgang mit dieser Bedrohung ganz besonders darauf geachtet werden, Verdachtsfälle exakt zu begründen und Diagnostik und Therapie ausschließlich in einem der dafür vorgesehenen Zentren durchzuführen: Definition begründeter Verdachtsfälle gemäß Robert-Koch-Institut (Flussschema, 14.08.14): www.rki.de/DE/Content/InfAZ/E/Ebola/Ebola_node.html Ein begründeter Verdacht besteht bei Patienten mit Fieber (≥38,5 °C) mit oder ohne weitere Symptome, die bis zu 21 Tage vor Erkrankungsbeginn
  • Kontakt mit einem Ebolavirus-Erkrankten oder Krankheitsverdächtigen hatten, oder
  • möglicherweise beruflichen Kontakt mit Ebola-Viren, erregerhaltigem Material oder infizierten Tieren hatten, oder
  • in Sierra Leone, Guinea, Liberia oder Lagos (Nigeria) waren und
    • dort Kontakt zu möglicherweise infizierten Wildtieren (z. B. Affen, Fledermäuse, „bushmeat“) hatten, oder
    • sich dort in Höhlen oder Minen aufgehalten haben, oder
    • nach Aufenthalt dort an einer gesteigerten Blutungsneigung (hämorrhagische Diathese) oder einem ungeklärten Schock leiden.
Durchführung der gesamten Behandlung und Diagnostik in spezialisierten Zentren: www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/Stakob/Stakob_node.html Bereits für den begründeten Verdachtsfall muss die Betreuung der betroffenen Patienten durch eine speziell für die Behandlung hochkontagiöser lebensbedrohlich Erkrankter vorgesehene Einrichtung erfolgen. Hierfür existieren in Deutschland neun Zentren. Die gesamte den Patienten betreffende Diagnostik (z. B. Blutbild, Malaria, CRP, Gerinnungsstatus) muss unter besonderen Schutzmaßnahmen ebenfalls in einem dieser Behandlungszentren erfolgen. Die erregerspezifische Diagnostik wird von dort an eines der diagnostizierenden Zentren der Schutzstufe 4 weitergeleitet. Der Probentransport muss unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen stattfinden (Gefahrgut) und vor dem Transport mit der diagnostizierenden Einrichtung abgesprochen werden. Grundsätzlich ist bei begründeten Verdachtsfällten als erste Maßnahme das zuständige Gesundheitsamt zu kontaktieren. Gemeinsam mit dem Gesundheitsamt wird dann das weitere Vorgehen abgestimmt (weitere Diagnostik, Therapie, Ort der Behandlung, Patienten- und/oder Probentransport). Vorgehen bei begründetem Verdacht:* Patient erfüllt die obige Falldefinition:
  • Wasserabweisender Schutzkittel, Handschuhe, (evtl. Unterhandschuhe), Kopfhaube, Schutzbrille, FFP3-Maske
  • Strikte Isolierung des Patienten (klinische Situation beachten und ggf. Schutzmaßnahmen adäquat verstärken, z. B. bei Brechreiz oder Erbrechen)
  • Meldung an das für Ihr Krankenhaus/Praxis zuständige Gesundheitsamt, außerhalb der Dienstzeiten wenden Sie sich bitte an den Rufdienst Ihres Gesundheitsamtes oder die örtliche Rettungs- oder Polizeileitstelle zur Vermittlung eines Kontaktes zum Gesundheitsamt
Der Verdacht kann wegen unklarer Anamnese nicht ausgeschlossen werden:
  • Schutzmaßnahmen wie bei gegründetem Verdacht aufrechterhalten
  • Kontaktaufnahme mit Gesundheitsamt zur weiteren Abklärung
bei Anfangsverdacht: (Symptomatischer Patient mit Reiseanamnese in Endemiegebiete,der noch nicht ausführlich befragt und die Falldefinition noch nicht geprüft werden konnte):
  • Handschuhe, Schutzkittel und Mundnasenschutz anlegen. Bei körperlicher Untersuchung zusätzlich Schutzbrille tragen.
  • Absonderung des Patienten bis zur Klärung, ob die Falldefinition erfüllt ist. Der Patient erhält eine FFP2-Maske ohne Auslassventil. Erheben der genauen Anamnese in abgeschlossenen Raum.
*Quelle: Gesundheitsamt Rhein-Neckar-Kreis, 08/2014
Bei begründeten Verdachtsfällen kann mit folgenden Stellen Kontakt aufgenommen werden. Kompetenzzentren (Gesundheitsschutz) der Länder: Baden-Württemberg: Landesgesundheitsamt Stuttgart: Telefonnummer an Arbeitstagen: 0711/90439509 außerhalb der Dienstzeiten: 0711/2313333 oder Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM), Hamburg: Notfallnummer: 040/42818-0 Institut für Virologie der Universität Marburg: Notfallnummer: 0177/3108196
Ebolavirus: Das Ebolavirus gehört zur Familie der Filoviridae. Von den fünf bekannten Spezies des Ebolavirus haben drei Spezies große Krankheitsausbrüche beim Menschen durch ein virales hämorrhagisches Fieber ausgelöst (Zaire, Sudan, Bundibugyo). Die Gensequenz der bei diesem Ausbruch nachgewiesenen Viren zeigt zu 98 % eine Homologie zum Zaire-Ebolavirus. Die Letalität der Erkrankung liegt bei 50 bis 90 %. Die Inkubationszeit beträgt zwischen 2 und 21 Tagen. Die Krankheit beginnt mit plötzlich auftretendem, hohem Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Konjunktivitis, Kopf- und Halsschmerzen, Diarrhö und Erbrechen. Hämorrhagische Manifestationen finden sich bei 70 bis 80 % der Erkrankten und betreffen vornehmlich den Gastrointestinaltrakt, selten den Urogenitaltrakt. Ebolafieber ist hochansteckend. Die Infektiosität beginnt mit der Symptomatik. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist durch direkten Haut- und Schleimhautkontakt, Kontakt mit Blut und anderen Körperflüssigkeiten von Erkrankten und Verstorbenen möglich. Ebolaviren können in Flüssigkeiten und angetrocknetem Material über Tage hinweg infektionsfähig bleiben, weswegen eine Infektion auch über kontaminierte Gegenstände (z. B. Spritzenkanülen) möglich ist. Eine Ansteckung ist auch durch den Kontakt zu Tieren möglich (Menschenaffen und v. a. Flughunde gelten als Reservoir für Ebolaviren). Eine besondere Gefahr besteht für betreuende Personen und medizinisches Personal mit direktem Kontakt zu Patienten sowie für Laborpersonal. Desinfektionsmaßnahmen: Geeignet sind z. B. Mittel mit dem Wirkungsbereich AB aus der Liste der vom Robert-Koch-Institut (RKI) geprüften und anerkannten Desinfektionsmittel und -verfahren. Für eine ggf. erforderliche Raumdesinfektion im Rahmen der Schlussdesinfektion kommen die in der RKI-Liste aufgeführten Verfahren mittels Verdampfung von Formaldehyd oder Wasserstoffperoxid in Betracht.

Quellen:

Ansprechpartner:

Abteilung Mikrobiologie, Telefon 06221-3432 125

Autor: MVZ Labor Volkmann, Frau Dr. E. Müller

MVZ Labor Limbach, Heidelberg

Stand: 22.08.2014