Funktionsteste

In der folgenden PDF Datei finden Sie Hinweise zur Anforderung und Probenbeschriftung der Funktionsteste .

Der folgende Teil stellt häufig eingesetzte Funktionsteste vor. Funktionstests sind oft wesentlich aussagekräftiger als Basalwerte.

Für eine labormedizinische Diskussion bzw. medizinische, individuelle Interpretation der Befunde ist es unverzichtbar, dass Sie

1) das Testziel bzw. die Fragestellung angeben
2) die Proben genau kennzeichnen
3) Angaben zur Testdurchführung machen.

Bei Fragen bitte bereits in der Phase der Testplanung anrufen! Anleitungen für weitere Funktionstests gern auf Anfrage:

Funktionstests in der Endokrinologie Tel. 06221/3432-127 oder -115
Funktionstests der Klinischen Chemie/Toxikologie Tel. 06221/3432-164 oder -170


ACTH-Stimulationstest (Synacthen-Test, ACTH-Kurztest)

Indikation:

  1. Diagnostik der NNR-lnsuffizienz
  2. Diagnostik des late-onset AGS (heterozygote bzw. nicht klassische Form des adrenogenitalen Syndroms).

Durchführung:

Testbeginn 7-9 Uhr, der Patient sollte nüchtern sein und während des Testablaufs bleiben.

zu 1. Diagnostik der NNR-lnsuffizienz:

  1. Basale Serumprobe (0,5 ml) abnehmen und kennzeichnen.
  2. 25 IE (0,25 mg) synthetisches ACTH (Synacthen i. v. applizieren).
  3. 60 Min. danach zweite Serumprobe (0,5 ml) abnehmen und kennzeichnen.
  4. Beide Proben zur Cortisol-Bestimmung einsenden.

Bewertung:

Ein Anstieg des Cortisols im Serum auf > 200 µg/l 60 Minuten nach ACTH-Injektion schließt mit hinreichender Sicherheit eine NNR-Insuffizienz aus.

Niedrige Cortisol-Basalwerte und fehlende bzw. geringe Änderungen nach ACTH weisen auf NNR-lnsuffizienz hin.

zu 2. Diagnostik des late-onset AGS:

1.-4. wie oben, zusätzlich zum Cortisol auch 17-Hydroxyprogesteron und DHEA aus beiden Proben bestimmen.

Bewertung:

- Bei einem Anstieg von 17-Hydroxyprogesteron um mehr als 2,5 µg/l muß ein 21-Hydroxylasedefekt angenommen werden.

- Bei einem Anstieg von DHEA um mehr als 18,2 µg/l muß ein 3ß-Hydroxy-steroiddehydrogenasedefekt angenommen werden.


Aldosteron / Renin-Quotient (ARQ)

Indikation: Nachweis eines primären (normokalämischen) Hyperaldosteronismus

Durchführung:

Parallele Bestimmung von Aldosteron (1,0 ml Serum, tiefgefroren) und Renin (1,5 ml EDTA-Plasma, tiefgefroren) nach 15 minütiger Ruhephase.

Folgende Medikamente vorher absetzen (wenn möglich):

4 Wochen vorher: Spironolacton

1 Woche vorher: ß-Blocker, ACE-Hemmer, Diuretika, Laxantien

Bewertung: Bei einem ARQ > 20 besteht der Verdacht auf das Vorliegen eines primären Hyperaldosteronismus, der durch einen Bestätigungstest weiter abgeklärt werden sollte (unter Berücksichtigung der erlaubten antihypertensiven Medikation).

 

Aldosteron-Suppressionstest (NaCl-Belastungstest)

Indikation: DD des Hyperaldosteronismus.

Prinzip: Prüfung der Supprimierbarkeit der Aldosteron-Sekretion durch NaCI-lnfusion.

Durchführung:

Testbeginn 7-9 Uhr, der Patient sollte nüchtern sein und während des Testablaufs bleiben.

Folgende Medikamente vorher absetzen (wenn möglich):

4 Wochen vorher: Spironolacton

1 Woche vorher: ß-Blocker, ACE-Hemmer, Diuretika, Laxantien

Cave: RR-Anstieg möglich, Überwachung des Patienten erforderlich.

Bei erniedrigtem basalen Renin ist der Test nicht sinnvoll.

  1. Basale Serumprobe (0,5 ml, tiefgefroren) abnehmen.
  2. 2000 ml 0,9 % NaCI über 4 Std. i.v. infundieren.
  3. Danach 2. Serumprobe abnehmen (s.o.).
  4. Beide Proben zur Aldosteronbestimmung einsenden.

Bewertung: Beim Conn-Syndrom ist keine bzw. höchstens eine geringe Aldosteron-Suppression zu erreichen. Bei einem Aldosteron Spiegel von > 50 ng/l in der zweiten Probe wird der primärer Hyperaldosteronismus (PAH) bestätigt.

 

Arginintest

Indikation: STH-Stimulationstest, führt bei normaler Funktion des HVL zu kräftiger (gegenregulatorischer) Ausschüttung von STH.

Durchführung:

  1. Basale Serumprobe (0,5 ml) um 8 Uhr nüchtern abnehmen.
  2. i.v.-Applikation von 0,5 g L-Argininhydrochlorid/kg Körpergewicht.
  3. Nach 30, 60, 90 und 120 Min. weitere Serumproben (s.o.) abnehmen.
  4. Alle Proben zur Bestimmung von STH einsenden.

Bewertung: Beim Gesunden lässt sich unter Arginingabe meist ein STH-Anstieg auf >6 µg/l nach 30 bis 60 Minuten beobachten.

Bei nicht ausreichender Stimulation sollte der Befund nach Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie durch Stimulation mit einem anderen Verfahren (z.B. Insulin- oder Clonidintest) gesichert werden.

 

Captopril-Test

Indikation:

  1. Diagnostik der Nierenarterienstenose, Abgrenzung zum essentiellen Hypertonus.
  2. Diagnostik des primären Hyperaldosteronismus (PHA).

zu 1. Diagnostik der Nierenarterienstenose, Abgrenzung zum essentiellen Hypertonus.

Durchführung:

  1. Probenentnahme für Renin und Aldosteron basal (1,5 ml EDTA-Plasma, tiefgefroren und 1 ml Serum, tiefgefroren).
  2. Einnahme von 25 mg Captopril oral.
  3. 2. Probenentnahme nach 120 Minuten s.o.

Bewertung: Bei Vorliegen einer Nierenarterienstenose findet sich in der Regel ein Anstieg der Reninkonzentration um mehr als 200 %, bei niedrigen Ausgangswerten um mehr als 300 %.

Beim essentiellen Hypertonus finden sich unter Captopril-Stimulation in der Regel keine Anstiege um mehr als das Doppelte des Ausgangswertes (Ausnahme: bei sehr niedrigen basalen Reninwerten können Anstiege bis 300 % normal sein).

zu 2. Diagnostik des primären Hyperaldosteronismus (PHA).

Durchführung: s.o.

Bewertung: Beim primären Hyperaldosteronismus (Conn-Syndrom) läßt sich der bereits basal erhöhte Aldosteronwert nicht supprimieren, beim sekundären (z.B. Nierenarterienstenose) zeigt sich hingegen ein deutlicher Abfall der Aldosteronkonzentration nach ACE-Hemmergabe. Der (in der Regel supprimierte) basale Reninwert läßt sich durch Captoprilgabe kaum stimulieren.

 

Clonidin-Test

Indikation: STH-Stimulationstest, führt bei normaler Funktion des HVL zu kräftiger (gegenregulatorischer) Ausschüttung von STH.

Durchführung:

  1. Basale Serumprobe (0,5 ml) um 8 Uhr nüchtern zur Bestimmung von STH abnehmen.
  2. Applikation von 150 µg/m2 KO Clonidin p.o.
  3. nach 30, 60, 90 und 120 Min. weitere Serumproben abnehmen.
  4. Alle Proben zur Bestimmung von STH einsenden.

Bewertung: Beim Gesunden lässt sich hierunter meist ein STH-Anstieg auf mindestens >= 6 µg/l nach 90 Minuten beobachten.

Bei nicht ausreichender Stimulation sollte der Befund nach Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie durch Stimulation mit einem anderen Verfahren (z.B. Insulin- oder Arginintest) gesichert werden.

 

CRH (Corticotropin-Releasing-Hormon) -Test

Indikation:

  1. Differentialdiagnostik des Cushing-Syndroms.
  2. Differentialdiagnostik einer sekundären oder tertiären NNR-Insuffizienz.
  3. Hypophysenvorderlappen-Insuffizienz.

Durchführung: Der CRH-Gabe sollte eine Ruheperiode von 2 h vorausgehen.

  1. Basale Serumprobe für Cortisol-Bestimmung und EDTA-Blut für ACTH-Bestimmung abnehmen und Proben kennzeichnen.
  2. 100 µg humanes CRH langsam i. v. injizieren.
  3. 15, 30, 45 und 60 Min. danach weitere Serum-und EDTA-Blut-Proben abnehmen und kennzeichnen.
  4. Die Serumproben zur Cortisol-Bestimmung einsenden. Das EDTA-Blut zur Bestimmung von ACTH bitte vorher zentrifugieren, das Plasma in eine neutrale Monovette umfüllen, diese kennzeichnen und einfrieren.

Bewertung: Ca. 15 Min. nach Applikation von CRH erfolgt beim Gesunden ein Anstieg des des ACTH auf das 1,5-2 fache des Ausgangswertes.

Der Cortisol-Anstieg erfolgt verzögert nach ca. 30-45 Min. auf das 1,5-2 fache des Ausgangswertes.

Exzessive Anstiege weisen auf einen hypophysären M. Cushing hin.

Fehlende Anstiege weisen auf einen hypophysären ACTH-Mangel hin.

 

Dexamethason-Hemmtest

Indikation:

  1. Diagnostik des Cushing-Syndroms (1-2 mg Dexamethason-Kurztest)
  2. DD des Cushing-Syndroms (8 mg Dexamethason-Langzeittest)

Prinzip: Prüfung der Supprimierbarkeit der Cortisolsekretion durch Dexamethason.

Dexamethason hemmt die ACTH-Freisetzung und damit die endogene Cortisolproduktion. Da Dexamethason, anders als z.B. Prednisolon, in den kommerziellen immunologischen Testsystemen mit endogenem Cortisol keine Kreuzreaktivität zeigt, werden unter Dexamethasongabe beim Gesunden erniedrigte Cortisolspiegel gemessen.

Durchführung:

A) Kurztest

  1. Am ersten Tag dem nüchternen Patienten zwischen 7-9 Uhr Serum (0,5 ml) zur Bestimmung von Cortisol abnehmen.
  2. Gegen 21-23 Uhr desselben Tages 1-2 mg Dexamethason per os geben.
  3. Am zweiten Tag wieder zwischen 7-9 Uhr die zweite Serumprobe abnehmen.
  4. Proben kennzeichnen und zur Cortisolbestimmung einsenden.

B) Langzeittest mit hoher Dosierung

  1. Am ersten Tag dem nüchternen Patienten zwischen 7-9 Uhr Serum (0,5 ml) zur Bestimmung von Cortisol abnehmen.
  2. Alle 6 Std. über 2 Tage je 2 mg Dexamethason per os geben (ggfs. verlängern).
  3. Am 3. Tag (oder letzten) die 2. Serumprobe zwischen 7-9 Uhr abnehmen.
  4. Proben kennzeichnen und zur Cortisolbestimmung einsenden.

Bewertung: Bei Gesunden ist im Kurztest eine Suppression des morgendlichen Cortisolspiegels auf Werte < 18,1 μg/l (50 nmol/l)  zu erwarten. Beim Hypercortisolismus als Folge eines NNR-Tumors und in den meisten Fällen von ektoper ACTH-Sekretion ist auch im Langzeittest keine signifikante Suppression erreichbar, während bei hypophysärem M. Cushing im Langzeittest eine Suppression zu erwarten ist.

 

GH-RH-Test (Growth-hormone releasing hormone)

Indikation: STH-Stimulationstest, führt bei normaler Funktion des HVL zu kräftiger Ausschüttung von STH.

Durchführung:

  1. Basale Serumprobe (0,5 ml) um 8 Uhr nüchtern zur Bestimmung von STH abnehmen.
  2. i.v.-Applikation von 1 µg/kg Körpergewicht GHRH
  3. nach 30, 60, 90 und 120 Min. weitere Serumproben abnehmen.
  4. Alle Proben zur Bestimmung von STH einsenden.

Bewertung: Beim Gesunden lässt sich hierunter meist ein STH-Anstieg auf mindestens 6 µg/l beobachten.

Bei nicht ausreichender Stimulation sollte der Befund nach Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie durch Stimulation mit einem anderen Verfahren (z.B. Insulin-, Clonidin- oder Arginintest) gesichert werden.

 

Glucosebelastungs-Test

Indikation: STH-Suppressionstest bei V.a. Akromegalie

Durchführung:

  1. Basale Serumprobe (0,5 ml) um 8 Uhr nüchtern zur Bestimmung von STH abnehmen.
  2. Belastung mit einem 75 g-Glucosetrunk
  3. nach 30, 60, 90 und 120 Min. weitere Serumproben abnehmen.
  4. Alle Proben zur Bestimmung von STH einsenden.

Bewertung: Beim Gesunden lässt sich hierunter meist eine STH-Suppression auf Werte unter 1 µg/l innerhalb der ersten 60 min. des Anstiegs der Blutglucose beobachten. Mit dem Abfall des Blutzuckers steigt STH dann wieder an. Diese vollständige Suppression des STH fehlt bei Akromegalen, eine teilweise Senkung der STH-Konzentration ist aber beobachtet worden, jedoch nie unter 3 µg/l, und in ca. 20 % der Fälle kommt es zu einem paradoxen Anstieg des STH.

 

Glukagon-Test

Indikation:

  1. Diagnostik und DD des Hypoglykämie-Syndroms
  2. V.a. Phäochromozytom

Durchführung zu 1): Wenigstens 3 Tage vor dem Test sollte der Patient sich Kohlenhydratreich ernähren und falls möglich 8 h vorher fasten. Es werden 1 mg Glukagon verdünnt in 10 ml physiolog. NaCl, als Bolus langsam intravenös verabreicht. 3 ml Serum, tiefgefroren für die Bestimmung von Glucose, Insulin und C-Peptid vor Testbeginn sowie 1, 5, 10, 15 und 30 min. entnehmen.

Durchführung zu 2): Morgens dem nüchternen, liegenden Patienten peripher venösen Zugang legen, 10 mg Phenoxybenzamin p.o. (Prophylaxe hypertensiver Krisen), engmaschig Puls und Blutdruck kontrollieren.

1 (-2) mg Glukagon i.v. verabreichen. EDTA-Plasma, tiefgefroren für die Bestimmung von Adrenalin und Noradrenalin vor Testbeginn sowie nach 2, 5 und 10 min.

CAVE: hypertensive Krisen (Phentolamin bereithalten)!

Bewertung zu 1): Eine intravenös verabreichte Bolusinjektion von Glukagon führt zur maximalen gegenregulatorischen Sekretion von Insulin und C-Peptid.

Bei Gesunden erreichen die Serumwerte beider Hormone jedoch nicht die Konzentration wie bei Patienten mit einem Inselzelladenom.

Bewertung zu 2): Gesunde und Patienten mit essentieller Hypertonie: kein Anstieg der Plasmakatecholamine. Anstieg der Plasmakatecholamine auf >/= 300 % des Ausgangswertes bei Patienten mit Phäochromozytom.

 

Gn-RH-Test (LH/FSH-Stimulationstest mit LH-RH)

Prinzip: Nachweis/Ausschluß einer HVL-lnsuffizienz im Regelkreis HVL-Gonaden durch Stimulation der Ausschüttung von LH bzw. FSH mit Gn-RH (LH-RH)

Durchführung: Morgens, bei Frauen in der Lutealphase des Zyklus,

  1. 1 ml Serum zur Bestimmung der Basalwerte von LH und FSH entnehmen.
  2. 100 µg Gn-RH (Relefact LH-RH) i. v. applizieren.
  3. Nach 30 und 60 Min. erneut Serum zur Bestimmung des LH und FSH entnehmen.

Bewertung: Ein Anstieg des LH um das mehr als 3 fache bei Männern bzw. mehr als 4fache bei Frauen (in der Lutealphase ) schließt eine HVL-Insuffizienz aus. Eine fehlende oder verminderte Reaktion lassen einen Hypophysendefekt bzw. eine hypothalamisch bedingte Störung der Hypophyse erwarten. Bei FSH sind die relativen Änderungen geringer als bei LH (mindestens 1,5 bis 2 facher Anstieg über Basalwerte). Zur Beurteilung ist die Kenntnis des Östradiol-Spiegels bei Frauen und des Testosteron-Spiegels bei Männern wünschenswert.

Normwerte für Kinder s. Stolecke. H.: Endokrinologie des Kinder- und Jugendalters, Springer-Verlag, Heidelberg 1997, S. 578-579.

 

HCG-Test

Prinzip:

Differenzierung zwischen primärem und sekundärem Hypogonadismus.

Differenzierung zwischen Anorchie und Kryptorchismus.

Durchführung:

  1. 0,5 ml Serum nüchtern 8 Uhr bis 10 Uhr (Basalwert) abnehmen.
  2. i.m. Injektion von 5000 I.E. HCG (z.B. Pregnesin).
  3. Nach 48 und 72 Stunden weitere Serumproben entnehmen.

Beurteilung:

Physiologischerweise findet sich ein Anstieg des Testosterons nach HCG-Gabe um über das 2-fache bei Männern bis zum 60. Lebensjahr.

Verminderter Anstieg bei: Seneszenz, primärer Hypogonadismus, Anorchie

Hoher Anstieg: Sekundärer Hypogonadismus, Pubertas tarda, Kryptorchismus

 

Hungerversuch / Insulinom/Proinsulinom-Abklärung

Durchführung: Nur stationär unter sorgfältiger Beobachtung der Patienten. Zur Notfallbehandlung sollte eine Glukoselösung bereitgehalten werden. Der Test dauert regulär 72 Stunden. Testabbruch bei Blutglukose < 45 mg/dl kapillär und neuroglukopenischen Symptomen wie Konfusion, Krämpfe, Verwirrtheit oder Schwindel.

  1. 1. Testbeginn morgens nüchtern 8.00 Uhr.
  2. Patient darf nur nichtkalorische Getränke zu sich nehmen (Mineralwasser, Tee/Kaffee ohne Zucker ohne Milch).
  3. Alle 2 Stunden bis 16 Uhr Probenentnahme, danach alle 4 Stunden. Ca. 2,5 ml Serum, tiefgefroren für Insulin, C-Peptid und Proinsulin und ca. 1,0 ml Natriumfluoridblut für Glukosebestimmung erforderlich. Hämolyse unbedingt vermeiden! Proben bitte exakt kennzeichnen (Entnahmedatum und Zeitangabe).

Bewertung:

Physiologische Reaktion: Blutglukose fällt nicht unter 45 mg/dl kapillär; gelegentlich werden bei Frauen Ausnahmen beobachtet. Insulinwerte fallen unter 6 mIU/l. C-Peptidwerte unter 0,2 nmol/l.

Hinweis auf Insulinom/Proinsulinom: Patienten entwickeln zu 42 % bereits binnen 12 Stunden Nüchternheit (d.h. schon am 1. Vormittag) und zu 95 % binnen 48 Stunden eine Hypoglykämie mit Blutglukosewerten < 45 mg/dl kapillär. Insulin, C-Peptid und Proinsulin fallen nicht ab bzw. bleiben im Normalbereich. Im Regelfall kann die Diagnose des Insulinoms/Proinsulinoms aus der Serumprobe gesichert werden, bei der die gleichzeitige Blutzuckerbestimmung einen Wert unter 45 mg/dl (< 2,5 mmol/l) ergab.

 

HOMA (Homeostasis-Model-Assessment Test)

Prinzip: Quotient zur Berechnung der Insulinresistenz und Betazellfunktion beim metabolischen Syndrom und PCO-Patientinnen.

HOMA IR = Nüchterninsulin µU/ml x Nüchternglukose mmol/l / 22,5

Durchführung:

Morgens nüchtern Natriumfluoridblut (1,0 ml) für die Blutglukose und Serum (1,0 ml, tiefgefroren) für Insulin abnehmen.

Bewertung: Ein Quotient > 2,5 spricht für eine Insulinresistenz.

 

Insulin-Hypoglykämietest

Indikation: STH-Stimulationstest, führt bei normaler Funktion des HVL zu kräftiger (gegenregulatorischer) Ausschüttung von STH.

Durchführung:

  1. Basale Serumprobe (0,5 ml) um 8 Uhr nüchtern zur Bestimmung von STH abnehmen.
  2. i.v.-Applikation von 0,1 IE Altinsulin/kg Körpergewicht.
  3. nach 30, 60, 90 und 120 Min. weitere Serumproben abnehmen.
  4. Alle Proben zur Bestimmung von STH einsenden.
  5. Blutzuckerkontrolle in Abständen von 15 Min.!

Bewertung: Der Test ist nur bei ausreichender Hypoglykämie (Blutzucker unter 40 mg/100ml) zu verwerten. Beim Gesunden lässt sich hierunter meist ein STH-Anstieg auf mindestens 6 µg/l nach 30 bis 60 Minuten beobachten.

Bei nicht ausreichender Stimulation sollte der Befund nach Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie durch Stimulation mit einem anderen Verfahren (z.B. Arginin- oder Clonidintest) gesichert werden.

 

Metoclopramid-Test ("Paspertin-Test")

Indikation: Nachweis/Ausschluß einer latenten bzw. manifesten Hyperprolaktinämie.

Bei Frauen mit einer latenten Hyperprolaktinämie sind die basalen Prolaktinwerte nicht bzw. nur gering erhöht. Durch den Metoclopramid-Test sollte die Diagnose gesichert werden.

Durchführung:

Möglichst am 19.-24. Zyklustag, 3-6 Std. nach dem Aufstehen. Vorher keine Palpation der Brust.

  1. Serum (0,5 ml) zur Bestimmung des basalen Prolaktinwertes abnehmen.
  2. 10 mg Metoclopramid (Paspertin, MCP) i.v. applizieren.
  3. 25-30 min. später zweite Serumprobe zur Bestimmung des Prolaktins nach Stimulation abnehmen.

Bewertung: Ein Anstieg des Prolaktins bis 200 µg/l gilt als unauffällig (Lutealphase). Ist bei einem normalen Prolaktinbasalspiegel der Anstieg stärker, so spricht man von latenter Hyperprolaktinämie, sind beide Werte erhöht, von einer manifesten Hyperprolaktinämie.

 

Sekretin-Test

Indikation: Provokationstest zur Differenzierung einer tumorbedingten Hypergastrinämie von anderen Formen der Gastrinerhöhung.

Durchführung:

  1. im Abstand von 15 min. beim nüchternen Patienten 2 Serumproben (1,0 ml, tiefgefroren) für die basale Gastrinbestimmung entnehmen.
  2. 1-2 KE/kg Körpergewicht Sekretin als Bolus innnerhalb von 30 sec. injizieren.
  3. Weitere Serumproben werden nach 2, 5, 10, 15, und 30 min. abgenommen.
  4. /ol> Bewertung: Der Test wird als positiv angesehen, wenn es in der Initialphase nach Sekretin-Injektion zu einem Anstieg der Gastrinkonzentration im Serum kommt. Nach Literaturangaben wird bei einem Anstieg von >/= 200 ng/l der Test als positiv bezeichnet, andere Arbeitsgruppen geben andere Grenzwerte an. Liegt kein Gastrin-produzierender Tumor vor, kommt es allenfalls zu einem minimalen transienten Gastrinanstieg mit konsekutiver Hemmung der Gastrinsekretion.

    TRH-Test (TSH-Stimulationstest mit TRH)

    Indikation: Empfindlichster Labortest zum Nachweis/Ausschluß von Funktionsstörungen der Schilddrüse bzw. zur Kontrolle der Therapie mit SD-Hormonen. Durchführung: TRH (Thyreotropin-Releasing Hormon) kann intravenös, oral oder pernasal verabreicht werden. Wir empfehlen die intravenöse Applikation. Daneben sollte das fT4 aus der basalen Blutprobe bestimmt werden. Durchführung des intravenösen TRH-Tests:
      li> Serum (1,0 ml) zur Bestimmung des basalen TSH abnehmen.
    1. 200 µg TRH, z.B. Antepan-Henning, Relefact-Hoechst i.v. applizieren (bei Kindern 7 µg/kg KG).
    2. 30 min. nach der TRH-lnjektion nochmals Serum für die Bestimmung des TSH-Spiegels nach TRH abnehmen. Proben kennzeichnen.
    Bewertung des TRH-Tests
TSH basal (mU/l) Anstieg nach TRH
(Δ TSH mU/l)
periphere Schilddrüsenhormone Bewertung (zusammen mit klinischen Daten)
0,4 - 3,8 2,0 - 25 normal Euthyreose
0,4 - 3,8 > 25 normal oder erniedrigt präklinische Hypothyreose
0,4 - 3,8 < 2,0 normal oder erhöht präklinische Hyperthyreose
< 0,4 < 2,0 normal präklinische Hyperthyreose
< 0,4 < 2,0 erhöht manifeste Hyperthyreose
< 0,4 < 2,0 erniedrigt sekundäre Hypothyreose
< 0,4 2,0 - 25 normal Funktionsstörung ausgeschlossen
> 3,8 > 25 erniedrigt manifeste primäre Hypothyreose
> 3,8 > 25 erhöht zentrale oder globale Schilddrüsenhormonresistenz, TSH-produzierender Hypophysentumor
> 3,8 2,0 - 25 normal Funktionsstörung ausgeschlossen

Wachstumshormon-(STH-) Stimulationstests

Prinzip: Körperliche Belastung bzw. Stimulation durch Hypoglykämie, Arginin, Clonidin u. a. führen bei nicht-funktionsgestörter Hypophyse zu verstärkter Ausschüttung von STH. Dieser Funktionstest dient dem Ausschluß eines hypophysären Zwergwuchses.

Durchführung:

1) Stimulation durch körperliche Belastung

Der nüchterne Proband wird nach Serumentnahme (0,5 ml) zur Bestimmung des basalen STH-Spiegels für 20 min. kräftiger körperlicher Anstrengung unterworfen (Fahrrad-Ergometer, Treppensteigen). Nach 20 min. Ruhe wird erneut Serum abgenommen. Bei einem Anstieg des STH-

Wertes auf Werte > 6 - 8 µg/l ist eine regelrechte Ausschüttung von STH

anzunehmen.

2) Stimulation durch Insulin-bedingte Hypoglykämie

siehe Insulin-Hypoglykämietest

3) Stimulation durch Argininhydrochlorid

siehe Arginintest

4) Stimulation durch GHRH

siehe GHRH-Test

 


Desferal-Test

Bei Patienten mit einem Aluminiumspiegel im Serum > 60 µg/l, assoziiert mit einem Serum-Ferritinspiegel > 100 µg/l, kann ein niedrig-dosierter Desferal-Test durchgeführt werden.

Vorgehen:

- Untersuchung im langen Dialyseintervall!
- 5 mg Desferal (DFO) pro kg Körpergewicht in dem beigefügten Lösungsmittel auflösen und über die letzten 60 Minuten einer Dialyse langsam infundieren. DFO kann dazu z. B. in physiologischer Kochsalzlösung verdünnt werden.
- Blutproben zur Aluminiumbestimmung in Spezial-Probenröhrchen ohne Zusätze (z. B. Neutral-Monovetten) prädialytisch vor DFO-Gabe und vor der darauffolgenden Dialyse (nach etwa 72 Stunden) entnehmen.

Beurteilung:
- Anstiege des Serumaluminiums um mehr als 150 µg/l über den Ausgangswert oder Anstiege auf mehr als das Dreifache des Ausgangswertes sind verdächtig auf Aluminiumüberladung. Zur Absicherung kann dann eine Knochenbiopsie durchgeführt werden. Diese ist jedoch nicht nötig, wenn bereits zerebrale, hämatologische oder ossäre Manifestationen der Aluminiumüberladung vorliegen.


Diagnostik einer chronischen Quecksilberbelastung mit dem DMPS-Test
(nach Daunderer, Stand 1998)

Indikation:
Verdacht auf chronisch-toxische Quecksilberbelastung

Prinzip:
Der Chelatbildner 2,3-Dimercapto-1-propansulfonat (DMPS, Dimaval®) bindet im Körper vor allem extrazellulär liegende Schwermetalle in wasserlöslichen Komplexen, die dann vorwiegend renal ausgeschieden werden können. DMPS wird zur Ausleitungstherapie bei Quecksilber- und anderen Schwermetallvergiftungen, aber auch diagnostisch zur Beurteilung der Schwermetalldepots im Gesamtkörper (Körperlast) eingesetzt.

Durchführung:
Nach oraler Gabe von DMPS wird die nachfolgende Schwermetallausscheidung im Urin gemessen. Beim DMPS-Test nach Daunderer (oral) erfolgt

die Messung in einer Urinprobe bezogen auf das Urin-Kreatinin.

URIN I:

- 20-50 ml Spontanurin vor Gabe von DMPS gewinnen.

- Untersuchung auf Zink, Kreatinin, Quecksilber, Selen. Mit „U I“ beschriften.

- Danach Blase vollständig (in die Toilette) entleeren.

URIN II:

- nüchtern und nach Entleeren der Blase 300 mg DMPS als Kapsel oral verabreichen.

- Patienten ca. 100 – 200 ml Wasser, Tee, Limonade o. ä. trinken lassen.

- 2h nach DMPS oral 20 – 50 ml Urin II abgeben. Mit „U II“ beschriften.

- Untersuchung auf Quecksilber, Kupfer, Zink und Kreatinin.

Bewertung:

Normalwerte

URIN I: Zink: 250-1200 µg/g Kreatinin

Selen: 6 - 30 µg/g Kreatinin.

Deutlich erniedrigte Zink- bzw. Selen-Werte sprechen für einen Mangelstatus, der toxische Quecksilber-Wirkungen begünstigt.

Quecksilber: Unbelastete < 4 (Nicht-Amalgamträger < 1) µg/g Kreatinin.
Werte > 15 µg/g Kreatinin zeigen eine bedenklich erhöhte Quecksilber-Belastung an.

URIN II: Ein Gehalt an Kupfer > 500 µg/g Kreatinin und an Quecksilber > 50 µg/g Kreatinin sprechen für eine bedenklich erhöhte Belastung. Bei Kupferwerten > 2000 µg/g Kreatinin kann die Quecksilbermobilisation behindert sein ("falsch" niedrige Quecksilberwerte möglich; ggf. Testwiederholung nach ca. 4-6 Wochen).

Gesamtbeurteilung des DMPS-Tests:

Durch die Gabe von DMPS können Schwermetalle mobilisiert und über den Urin ausgeschieden werden. In verschiedenen Publikationen wurde folgende Reihenfolge für die Ausscheidung der Schwermetalle nach Mobilisation mit DMPS angegeben: Zink > Kupfer > Arsen > Quecksilber > Blei > Zinn > Eisen > Cadmium > Nickel > Chrom.
Die Chelatbildung von DMPS erfolgt nicht nur mit den toxischen Schwermetallen, sondern auch mit den physiologischen Spurenelementen und kann deshalb zu Störungen führen. Die Schwermetallbelastung kann aber auch mit einem Mangel an Spurenelementen kombiniert sein. Deshalb empfiehlt es sich, vor Beginn und während der Behandlung, insbesondere Zink, Kupfer und Selen zu kontrollieren. Dabei sollten jedoch Zink und DMPS nicht gleichzeitig gegeben werden. Eine generelle Zinkgabe ist bei der DMPS-Therapie nicht erforderlich. Eine erhöhte Kupferausscheidung nach DMPS spricht, wenn sie parallel zur Quecksilberbelastung besteht, für eine chronische Metallvergiftung mit Mangel des Antagonisten Zink.
Hinter hohen Kupferausscheidungen verbergen sich oft Metalldepots. Oftmals wird erst dann eine chronische Quecksilbervergiftung bedrohlich, wenn die begleitende Kupferspeicherung zur Verdrängung des Körperzink führt.

Hinweise:
1. Nebenwirkungen:
DMPS ist eine Substanz mit einer geringen systemischen oder lokalen Toxizität und in der Regel auch bei Langzeitanwendung gut verträglich. Neben den unerwünschten Effekten, die aufgrund der pharmakodynamischen Wirkungen des DMPS auftreten können, wie verstärkte Ausscheidungen von essentiellen Spurenelementen und kardiovaskuläre Reaktionen, sind insbesondere Hauterscheinungen berichtet worden.
Bei unerwünschten Reaktionen während der Therapie ist nur in wenigen Fällen ein kausaler Zusammenhang mit DMPS nachgewiesen.
Bei den meisten unerwünschten Reaktionen von DMPS handelte es sich um allergische Reaktionen, die insbesondere bei längerer Therapiedauer auftraten (z. B. Juckreiz, Übelkeit, Schwindel, Fieber, Schwäche, Haut- oder Schleimhautreaktionen, Schüttelfrost). Möglicherweise liegt eine  Beeinflussung des Komplementsystems durch die SH-Gruppen zugrunde. Ein anaphylaktischer Schock ist bisher nicht beschrieben worden. Die allergischen Reaktionen bildeten sich meist nach Absetzen des DMPS innerhalb von einigen Tagen alleine zurück. Bei massiven Reaktionen ist die Behandlung abzubrechen und evtl. eine antiallergische Therapie (Antihistaminika, Corticosteroide) einzuleiten.
Kardiovaskuläre Reaktionen treten praktisch nur bei parenteraler Gabe (vor allem bei zu schneller Injektion) auf.
Renale Toxizität: kein Einfluß von DMPS in therapeutischer Dosis.
Sonstige: in Einzelfällen kann es, insbesondere bei magenempfindlichen Personen, bei oraler Gabe zu Übelkeit und Erbrechen kommen.

2. Kontraindikation und Vorsichtsmaßnahmen: DMPS darf nicht angewendet werden bei Überempfindlichkeit gegen DMPS oder seine Salze.
Weil die Nieren das wichtigste Ausscheidungsorgan für DMPS und seine Komplexe sind, muß bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion eine besonders sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung vorgenommen werden. Dies gilt wegen des Einflusses von DMPS auf den Zink-Stoffwechsel auch bei Patienten mit akuten Infekten, denn Zink spielt eine wichtige Rolle bei der Körperabwehr.

3. Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit: Tierexperimentelle Untersuchungen brachten keine Hinweise auf embryotoxische oder teratogene Wirkungen. Aus Gründen der Vorsicht sollte während der Schwangerschaft und Stillzeit keine Therapie mit DMPS durchgeführt werden. Ist die Anwendung von DMPS trotzdem erforderlich sollten die Mineralstoffe und essentiellen Spurenelemente (insbesondere Zink) ständig kontrolliert werden.

4. Art der Anwendung: Wir empfehlen grundsätzlich die orale Gabe von DMPS, da nicht nur bei Patienten mit allergischer und asthmatischer Symptomatik sondern auch bei Gesunden Personen vermehrte Risiken bestehen. Eine Kombinationstherapie mit anderen Komplexbildnern ist nicht zu empfehlen.

Diskussion:
Der Mobilisationstest mit DMPS ist geeignet, Speicherungen von Quecksilber im menschlichen Organismus nachzuweisen. Reproduzierbare und miteinander vergleichbare Ergebnisse lassen sich nur durch Standardisierung der Testbedingungen erzielen. Die Testergebnisse können zur Zeit nur als "Belastung" interpretiert werden.


Eisenresorptionsstest

Prinzip:

Zur Feststellung eines latenten Eisenmangels oder einer Eisenresorptionsstörung dient die orale Eisenbelastung. Der nach oraler Gabe einer Eisen (II)-Verbindung festzustellende Anstieg des Eisenspiegels im Serum korreliert dem Ausmaß des Eisenmangels.

Ausführung:
Nach Abnahme von 2 ml Blut für den Vergleichswert 200 mg zweiwertiges Eisen (Handelspräparat) per os verabfolgen. 2, 4 (und 6) Std. nach der Eisengabe Blut zur Serumeisenbestimmung entnehmen. Der Patient muß nüchtern sein und während der Versuchszeit Bettruhe einhalten. 1 Std. nach Einnahme des Eisenpräparates kann er frühstücken.

Normalwert:
Nur geringer Anstieg des Eisenspiegels ( bis ca. 180 µg Fe/100 ml bzw. 32 µmol/l ) im Serum.

Diagnostik:
Bei Eisenmangelanämien und intakten Resorptionsverhältnissen steigt der Serumeisenspiegel von erniedrigten Ausgangswerten nach 2-4 Std. auf 200 µg/l00 ml bzw. 36 µmol/l und darüber an. Bei Infekt- und Tumoranämien sowie Resorptionsstörungen er folgt keine oder nur eine geringgradige Anhebung des Serumeisenspiegels.

Literatur:
A. GITTER u. L. HEILMEYER, Taschenbuch klassischer Funktionsprüfungen, 8. Aufl., Fischer-Verlag, Stuttgart 1963, 5. 176 (!)


Helicobacter pylori 13C-Atemtest

Bemerkungen: Der Patient sollte zur Durchführung des Tests nüchtern sein (mind. 4 Std.). Der Test ist unbedenklich, da es sich bei 13C um ein natürliches, nicht radioaktives Isotop handelt.

13C-Harnstoff ist ebenfalls eine natürlich vorkommende Verbindung.

A. Sammeln der Leerprobe:

1. Ziehen Sie den Gummistopfen eines Vacutainer-Röhrchens mit der Beschriftung „basal“ ab.
2. Plazieren Sie die Spitze eines Strohhalms am Boden des Vacutainers.
3. Der Patient atmet einmal kräftig ein und bläst die eingeatmete Luft vollständig durch den Strohhalm in das Vacutainer-Röhrchen. Wichtig: die eingeatmete Luft möglichst vollständig ausblasen, was mindestens 10 Sekunden dauern sollte. Dies ist notwendig, um Alveolarluft zu erhalten bzw. die Totraumluft zu minimieren.
4. Das Vacutainer-Röhrchen sofort wieder mit dem Stopfen verschließen. Wichtig: Stopfen durch leichtes Drehen beim Verschließen vollständig eindrücken.
5. Wiederholen Sie dasselbe mit dem zweiten, mit „basal“ beschrifteten Vacutainer-Röhrchen.
6. Beide Röhrchen sofort beschriften: Name des Patienten und  Entnahmedatum.

B.13C-Harnstoff-Einnahme

1. Lösen Sie 75 mg 13C-Harnstoff in etwa 150 mL (1 Glas) Orangensaft oder einem anderen sauren Getränk (z. B. Apfelsaft, Grapefruitsaft etc.).
2. Der Patient trinkt diese Lösung.

C. Sammeln der Atemproben 30 Minuten nach Einnahme des Testgetränks

1. Siehe Punkte A 1. - 5., jedoch nun die Röhrchen mit der Beschriftung „30 Minuten“ benutzen.
2. Beide Vacutainer-Röhrchen sofort beschriften: Name des Patienten und Entnahmedatum.

D. Versand der Proben:

Die Vacutainer-Röhrchen mit normaler Post oder Ihrem üblichen Versandweg, gegen Bruch geschützt, einsenden. Die Proben bleiben über mehrere Tage stabil, Eilzustellung ist also nicht erforderlich.


Kaugummitest
(aus: Daunderer, Handbuch der Umweltgifte, ecomed, 1991)

Zur Erkennung eines toxischen Abriebs durch Amalgamfüllungen.

Durchführung
Zwei Stunden vorher nichts essen, nur trinken lassen.

1. 5 ml Speichel in normalem Serumröhrchen, beschriftet mit „I“ sammeln.
2. 5-10 Minuten zuckerfreies Kaugummi auf den Amalgamfüllungen intensiv kauen. Während dieser Zeit den Speichel in Röhrchen „II“ sammeln.
3. Speichel „I“ und „II“ auf Quecksilber untersuchen lassen.

Referenzbereiche
basale Speichelprobe („I“): ohne Amalgam-Belastung: < 3,0 µg/l (Median 0,3 µg/l) mit Amalgam-Belastung: < 143 µg/l (Median 4,9 µg/l) nach 10’ Kaugummikauen („II“): ohne Amalgam-Belastung: < 3,0 µg/l (Median 0,4 µg/l) mit Amalgam-Belastung: < 194 µg/l (Median 12,9 µg/l)

Bewertung
Eine erhöhte Quecksilberbelastung durch Amalgamfüllungen kann dann vorliegen, wenn die Differenz zwischen basalem Speichel („I“) und

Speichel nach Kaugummikauen („II“) mehr als 40 µg/l beträgt.


Lactose-Toleranz-Test

Indikation
V. a. Lactoseintoleranz/Lactasemangel

Prinzip
Prüfung der Lactaseaktivität der Dünndarmschleimhaut über den Anstieg der Blutglucose nach Lactosegabe.

Durchführung
1. dem nüchternen Patienten venös Blut zur Glucosebestimmung entnehmen.
2. 50 g Laktose in 400-500 ml Wasser per os geben.
3. 60, 90 und 120 Minuten danach nochmals (auf gleiche Weise) Blut zur Glucosebestimmung entnehmen. Proben kennzeichnen.
4. In allen Proben wird Glucose („BZ") bestimmt.

Bewertung
Normal: Anstieg des Blutzuckers um mehr als 20 mg/dl. Keine Blähungen oder Durchfälle.


D-Xylose-Belastungstest

Prinzip
Zur Beurteilung der intestinalen Kohlenhydratresorption wird D-Xylose, eine im Körper nicht vorkommende Pentose, oral verabreicht und die Xyloseausscheidung im Harn über 5 Stunden oder alternativ die Xylosekonzentration im Blut bestimmt.

Vorbereitung
Die Untersuchung erfolgt am nüchternen, ruhenden Patienten. Vor Testbeginn muß die Blase entleert werden.

Durchführung
A) D-Xylosebestimmung im Urin
1. Orale Gabe von 25 g D-Xylose (Kinder: 15 g/m2 Körperoberfläche), die in der Hälfte der erforderlichen Menge Leitungswasser (bei Erwachsenen 500 ml) gelöst sind.
2. Innerhalb der ersten beiden Stunden die andere Hälfte Leitungswasser zu trinken geben. Gesamte Flüssigkeitsmenge: 1 Liter; 600 ml/m2 bei Kindern.
3. Nach der Xylosegabe 5 Stunden lang den Urin gewissenhaft sammeln, Volumen messen und im Kühlschrank aufbewahren.

B) D-Xylosebestimmung im Blut
1. Mit Fluorid-Monovette Basale Blutprobe entnehmen und beschriften.
2. D-Xylose und Wasser verabreichen (s. o.)
3. Nach 1 Stunde bei Kindern bzw. nach 2 Stunden bei Erwachsenen zweite Blutprobe mit Fluorid-Monovette entnehmen und beschriften.

Bewertung
A) Urintest
Eine Xyloseausscheidung unter 4 g/5 Stunden zeigt eine Resorptionsstörung an (Drube, 1965)

Normalwerte

Patient Autor Xylose-Ausscheidung [g] Xylose-Ausscheidung [%]
Erwachsene Lick et al. 7,3 ± 2,6 29,2
Drube 1963 4,9 - 12,1
Richterich 6,0 - 11,0 22 - 33
Kinder Oestreicher et al. 15 - 40

B) Bluttest

Unauffällig, wenn 1-2 Stunden nach Belastung mehr als 200 (nach einigen Autoren 300) mg D-Xylose/l Serum nachweisbar sind. Befunde unter 200 mg/l weisen auf eine unzureichende intestinale Resorption der Xylose hin.

letzte Änderung: 03.12.2014