Laborinformationen

Erreger

Helicobacter pylori ist ein spiralförmiges gramnegatives Stäbchen dessen Reservoir die Magenschleimhaut des Menschen ist. H. pylori besitzt als wichtige Pathogenitätsfaktoren das Protein CagA, das an der Tumorentstehung beteiligt ist. Das vakuolisierende Zytotoxin VacA und das Enzym Urease, das durch die Spaltung von Harnstoff in Ammoniak und CO2 ein Überleben des Bakteriums im sauren Magenmillieu ermöglicht.

Klinik

H. pylori Infektionen stellen einen wichtigen Faktor bei der Entstehung von chronischen Magenerkrankungen dar. So sind 80-90 % der Gastritiden und 60-90% der Magenulcera H. pylori-induziert. H. pylori ist assoziiert mit dem MALT-Lymphom und dem Magenkarzinom.
Bei Kindern verursacht H. pylori vorwiegend chronisch-rezidivierende Abdominalbeschwerden zusammen mit Übelkeit, Erbrechen und Inappetenz. Vor allem bei jüngeren Kindern sind die Beschwerden meist unabhängig von den Mahlzeiten und der Art der Nahrung.

Epidemiologie

Der Erreger ist weltweit verbreitet und wird vermutlich fäkal-oral oder oral-oral vor allem innerhalb der Familie übertragen. Die Inkubationszeit ist unbekannt. Die Infektions- bzw. Besiedelungsrate ist abhängig vom Alter und vom sozialen Status des Patienten.

Diagnostik

Eine Übersicht über die diagnostischen Verfahren über den Nachweis und die Resistenztestung von H. pylori sind in nachfolgenden Tabelle dargestellt.

Verfahren Indikation Beschreibung Proben-Transport
Antigen-Nachweis im Stuhl (ELISA): monoklonaler Antikörper Diagnose und Nachweis der Eradikation
  • Sehr hohe altersunabhängige Sensitivität/Spezifität (98/99%)

  • Einfache Probengewinnung

  • Rückgang nach Eradikation 4-6 Wochen.
Stuhlprobe
  • mindestens erbsengroß

  • Versand bei Raumtemperatur (bis 2 Tage) oder gekühlt
Anzucht aus Magenbiopsie Antibiotikatestung (bei kulturellem Nachweis möglich)
  • Testung folgender Antibiotika:
    • -Chlarithromycin
    • -Metronidazol
    • -Amoxicillin
    • -Ciprofloxacin
    • -Tetracyclin
    • -Rifampicin
      (Testsubstanz für Rifabutin)
    • -Moxifloxacin
Spezialtransportmedium
  • Lagerung bei 2-8°C (ohne Probe)
  • Transport der Probe bei Raumtemp. innerhalb von 24 h.
Molekularbiologische Tests Nachweis von Helicobacter pylori und dessen Resistenz gegen Clarithromycin
  • Innerhalb eines Arbeitstages
  • Nachweis der Clarithromycin Resistenz, die in 85-95 % der Fälle mit einer Metronidazolresistenz kombiniert ist
  • mehrere Biopsien in Röhrchen mit NaCl (steril)
Antikörpernachweis im Serum (ELISA) Screening und Diagnose der Infektion
  • Am häufigsten verwendetes Verfahren.
  • Hohe Sensitivtät/Spezifität (>95%)
  • Differenzierung von Pathogenitätsfaktoren
  • Rückgang nach Eradikation nach bis zu 12 Monaten
  • Serum/ Vollblut
  • Unkritischer Versand und Stabilität bei Raumtemperatur
13-C-Harnstoff Atemtest Diagnose und Nachweis der Eradikation
  • Sensitivität >90 %
  • Spezifität >99 %
  • Nicht invasiv
  • Probe bei Raumtemperatur mehrere Wochen stabil
Schnelltest aus Magenbiopsie Diagnose im Rahmen der Endoskopie
  • Ergebnis in 30 min
  • Kostengünstig
  • Sensitivität >90 %
  • Test in Endoskopie-Praxis durchgeführt
Histologie Diagnose der Infektion
  • Malignitätsprüfung
 

Resistenztestung

Bezüglich der Resistenztestung von H. pylori sollte unterschieden werden zwischen der Erstdiagnose bei antimikrobiell nicht vorbehandelten Patienten und dem H. pylori-Nachweis bei Patienten mit einer bekannten H. pylori Infektion und bereits erfolgter antimikrobieller Therapie.

Nach der in Deutschland unter der Federführung von Prof. Kist (Universität Freiburg) stattfindenden Sentinel-Studie, an der auch wir teilnehmen, bestehen vor dem erstmaligen Therapiebeginn folgende Resistenzen (%R) (Quelle: Epidemiol. Bulletin 24/2005): Clarithromycin 5,5% R, Metronidazol 26,8% R, Clarithromycin und Metronidazol 2,5% R. Bei Patienten mit Therapieversagen ist eine Zunahme der Resistenz der Antibiotika Clarithromycin und Metronidazol zu beobachten. So bestand im Jahre 2005 nach den von uns geführten Statistiken bei Patienten mit Therapieversagen folgende Resistenzlage: Clarithromycin 62% R, Metronidazol 63% R, Clarithromycin und Metronidazol 48% R. Gegen Amoxicillin sind bisher auch nach Therapieversagen keine Resistenzen bekannt. Die im Labor Limbach erstellten Resistenzdaten (% sensible Isolate) bei Patienten mit Therapieversagen sind in Abbildung 2 dargestellt.

Es wird empfohlen, nach dem ersten Therapieversagen eine Resistenzprüfung nach Anzucht des Erregers aus dem Biopsat durchzuführen. Routinemäßig werden bei uns folgende Medikamente getestet: Amoxicillin, Clarithromycin, Metronidazol, Ciprofloxacin, Rifampicin (als Vertreter von Rifabutin), Doxycyclin.

Therapie

Bei der Therapie der H. pylori-Infektion werden am häufigsten die "Italienische Tripeltherapie" (Clarithromycin, Metronidazol, Protonenpumpen-Inhibitor) oder die "Französische Tripeltherapie" (Clarithromycin, Amoxicillin, Protonenpumpen-Inhibitor) eingesetzt. Bei Therapieversagern kommen als Alternative Ciprofloxacin, Rifabutin, Tetracyclin und Wismutpräparate in Frage (European Helicobacter Study Group www.helicobacter.org, Kist et al. Pathogenese, Diagnostik und Therapie der Helicobacter pylori-Infektion siehe Literaturauswahl)

Literaturauswahl

  • Eigner U, Caganic A., Fahr A. 2000. Prevalence of Antibiotic resistance of Helicobacter pylori in patients with Eradication failure. Poster presentation at the DGHM Berlin 2000.
  • European Helicobacter Study Group 2000. Current concepts in the management of Helicobacter pylori infection. The Maastricht 2-2000
  • Consensus Report, www.helicobacter.org.
  • European Helicobacter Study Group 2005. The Maastricht 3 Consensus Report: Guidelines for the Management of Helicobacter Pylori Infection
  • Heep et al. 2000. Secondary resistance among 554 isolates of Helicobacter pylori after failure of therapy. Eur J Clin Micorbiol Infect Dis 2000; 19:538-541.
  • Kist M. 2005. Zur Tätigkeit des nationalen Referenzzentrums (NRZ) für Helicobacter pylori. Epidemiol. Bulletin 24/2005.
  • Kist M., Glocker E., Suerbaum S. 2005. Pathogenese, Diagnostik und Therapie der Helicobacter py/ori-lnfektion. Bundesgesundheitsbl-Gesundheitsforsch-Gesundheitsschutz 48: 669-678.
  • Leodolter A., Peitz U., Ebert M.P., Agha-Amiri K., Malfertheiner P. 2002. Comparison of two enzyme immunoassays for the assessment of Helicobacter pylori Status in stool specimens after eradication therapy. Am J Gastroenterol 2002; 97:1682-1686.
  • Makristathis A et al. 2000. Two Enzyme Immunoassays and PCR for Detection of Helicobacter pylori in Stool specimens from Pediatric patients before and after Eradication therapy. J. Clin Microbiol. 2000; 38: 3710-3714.
  • van Doorn et al. 1999. Rapid Detection, by PCR and reverse hybridization, of mutations in the Helicobacter pylori 23S rRNA gene, associated with macrolide resistance. Antimicrob. Agents and Chemother. 1999; 43:1779-1782.

Ansprechpartner im Labor

Therapie, Stuhldiagnostik: Dr. Fahr, Dr. Turnwald, Dr. Holfelder: 06221/3432-125
Keimanzucht + Resistenztestung, Molekularbiologie: Herr Eigner: 06221/3432-192
Bestellung der Transportmedien: 06221/3432-192