Laborinformationen

MRGN - Multiresistente gramnegative Stäbchen

1) Mikrobiologische Diagnostik - Übersicht Screening -

Probenentnahme:

Tupfer mit durchsichtigem oder schwarzem Gel verwenden (Amies-Transportmedium) bzw. eine Urinprobe

Screening auf… Screeningorte
1) Einzelne 4MRGN-Erreger:
Indikation: Kontaktpatienten zu 4MRGN-Patienten oder früher 4MRGN-positive Patienten
 
4MRGN E. coli, Klebsiella spp. Rektal, ggf. Wunden, Urin
4MRGN Enterobacter spp., andere 4MRGN Enterobakterien Rektal
4MRGN P. aeruginosa Rektal, Rachen
4MRGN A. baumannii Mund-Rachen-Raum, Haut (großflächig Leiste oder Oberarm mit einem Tupfer abstreichen)
2) Alle 4MRGN:
Indikation: kürzlicher Kontakt zum Gesundheitssystem in Ländern mit endemischen Auftreten
1 Rektalabstrich,
1 Rachenabstrich,
Urin,
1 Hautabstrich (großflächig Leiste oder Oberarm mit einem Tupfer abstreichen)
ggf. Wundabstriche

Die Screening-Untersuchung auf MRGN dauert in der Regel 2-3 Tage. 4MRGN werden telefonisch mitgeteilt.

2) Krankenhaushygienische Maßnahmen – Übersicht Isolierung –

Modifiziert nach Bundesgesundheitsblatt 2012, 55: 1311-1354

 

 

Aktives Screening und Isolierung
bis zum Befund

Prävention der Übertragung

Normalbereiche

Risikobereiche1

Alle 4MRGN

Ja, bei Risikopopulation2

Isolierung

Isolierung

3MRGN E. coli
3MRGN Klebsiella spp.
3MRGN P. aeruginosa
3MRGN A. baumannii

Nein

Basishygiene

Isolierung

3MRGN Enterobacter spp.
und andere
3MRGN Enterobakterien

Nein

Basishygiene

Basishygiene

1 Risikobereiche: Intensivstationen, Neonatologie, hämatologisch-onkologische Stationen sowie weitere Bereiche nach individueller Risikoabwägung.

2 Als Risikopatienten gelten solche mit kürzlichem Kontakt zum Gesundheitssystem in Ländern mit endemischen Auftreten und Patienten die zu 4MRGN-positiven Patienten Kontakt hatten (d. h. gleiches Zimmer).

3) Mikrobiologische Diagnostik – Hintergrundinformationen -

Im Labor Limbach, Abteilung Mikrobiologie, werden die Screeninguntersuchungen auf MRGN mit selektiven Chromagarmedien durchgeführt. Wenn sich hieraus Verdachtsmomente ergeben, erfolgt die rasche weitere Identifizierung mittels MALDI-TOF MS sowie die Prüfung der Resistenz des Erregers. Für die erweiterte Diagnostik bzw. Bestätigung werden Epsilometertests (E-Test) auf der Basis von Antibiotikagradienten zur Bestimmung der minimalen Hemmkonzentration (MHK) oder der Hodge-Test herangezogen. Bei Hinweisen auf Carbapenemase-Bildung (z.B. KPC, NDM, OXA) erfolgt die molekularbiologische Bestätigung mittels PCR. Das Ergebnis der Screeninguntersuchung liegt in der Regel nach 2-3 Tagen vor. Auf den Befunden ist die Einteilung 3MRGN bzw. 4MRGN vermerkt sowie ein Kurzhinweis zu den Hygienemaßnahmen. Bei Nachweis von 4MRGN –Erregern erfolgt eine telefonische Vorabbenachrichtigung durch unser mikrobiologisches Labor.

Wenn sich in seltenen Fällen oder bei speziellen Fragestellungen mit den vorgenannten Methoden kein eindeutiges Ergebnis erzielen lässt, versenden wir das fragliche Isolat für die weitere Diagnostik an das Nationale Referenzzentrum für gramnegative Krankenhauserreger an der Ruhr-Universität Bochum.

 

4) Basishygienemaßnahmen

Aus: Bundesgesundheitsblatt 2012, 55: 1311-1354

Basishygienemaßnahmen sollen bei allen Patienten durchgeführt werden, da eine Besiedelung unerkannt vorliegen kann.

  • - Händedesinfektion vor und nach direktem Kontakt mit dem Patienten, vor aseptischen Tätigkeiten, nach Kontamination (Kontakt mit Blut, Sekreten oder Exkreten), nach Kontakt mit der Patientenumgebung, sowie nach Ablegen der Handschuhe
  • Handschuhe tragen, wenn die Wahrscheinlichkeit des Kontaktes mit Blut, Sekreten, Exkreten oder sichtbar kontaminierten Flächen besteht
  • Tragen von Mund-Nasen-Schutz und Schutzbrille, wenn Verspritzen von oder Tröpfchenbildung aus Blut, Sekreten oder Exkreten möglich ist
  • Tragen einer Schürze, um Dienstkleidung bei Eingriffen oder Pflegemaßnahmen vor Blut, Sekreten oder Exkreten zu schützen
  • Einzelzimmer für Patienten, denen adäquates hygienisches Verhalten nicht möglich ist
  • Behandlung von Ausrüstung und Geräten (Medizinprodukten), Oberflächen und Einrichtung, Bettwäsche und Abfall so, dass keine Übertragungsgefahr davon ausgeht
  • Desinfektion und Reinigung (Flächen: Routinemaßnahmen gemäß Reinigungs- und Desinfektionsplan, Instrumente: Aufbereitung aller zur Wiederverwendung bestimmter Instrumente mit geeignetem Verfahren, Geschirr: Desinfizierende Reinigung, Wäsche: Desinfizierende Waschverfahren für Krankenhauswäsche)
  • Abfallentsorgung gemäß Abfallentsorgungsplan

 

Für weitere Fragen stehen wir Ihnen gerne zu Verfügung

Labor Dr. Limbach, Abt. Mikrobiologie

Tel.: 06221-3432–125