Laborinformationen

Milzbrand

Seit 2009 zirkuliert mit Bacillus anthracis kontaminiertes Heroin in Europa. Dies hat schon zu mehreren Infektionen bei i.v. drogenabhängigen Personen geführt, dem sogenannten Injektionsmilzbrand. Eine Übertragung erfolgt hier in der Regel über kontaminiertes Heroin aber auch eine Übertragung über kontaminiertes Injektionsbesteck ist denkbar. Es entwickelt sich meist eine starke Weichteilreaktion mit Kompartmentsyndrom und nekrotisierender Fasciitis an der Injektionsstelle. Das klinische Bild ist nicht typisch, sondern kann auch bei anderen Haut- und Weichteilinfektionen auftreten. Um frühzeitig Milzbrand in die Differentialdiagnose mit einzubeziehen und somit die entsprechende Diagnostik bzw. Therapie einzuleiten, möchten wir allen Ärzten, die ein entsprechend gefährdetes Patientengut betreuen, diesbezüglich Informationen zukommen lassen.

Klinische Symptomatik

Hautmilzbrand: Häufigste Form des Milzbrandes (95% aller Fälle). An der Eintrittsstelle entsteht eine schmerzlose Papel (Pustula maligna), anschließend flüssigkeitsgefüllte Bläschen. Daraus entwickelt sich ein mit schwarzem Schorf bedecktes schmerzloses nekrotisches Geschwür (Milzbrandkarbunkel). Unbehandelt tritt in 20% der Fälle eine meist tödlich verlaufende Sepsis auf.

Magen-Darm- und Lungenmilzbrand: Diese Formen treten meist nach Genuss von Fleisch oder Innereien auf, die nicht durchgegart waren, bzw. nach Inhalation von Milzbrandsporen von kontaminierten tierischen Fellen, Haaren oder Häuten.

Therapie

Lokalisierter Hautmilzbrand:

Ciprofloxacin 2 x 400 mg für 7 – 10 Tage

oder Doxycyclin 2 x 100 mg für 7 – 10 Tage

Systemischer Milzbrand (Lungenmilzbrand, Magen Darm Milzbrand, Milzbrandsepsis):

Ciprofloxacin 2 – 3 x 400 mg i.v.

Doxycyclin initial 200 mg i.v., dann 2 x 100 mg i.v. in

Kombination mit Penicillin G 2 Mega I:E. alle 2h oder 4 Mega

I.E. alle 4h

Alternative Antibiotika: Gentamicin, Clarithromycin, Roxythromycin, Rifampicin, Vancomycin, Clindamycin, Imipenem.

Meldepflicht

Klinischer Verdacht auf Milzbrand, Erkrankung und Tod an Milzbrand nach §6 IFSG Direkter oder indirekter Nachweis des Erregers nach §7 IFSG

Labordiagnostik

Bitte bei Verdacht auf Milzbrand telefonisch Kontakt aufnehmen, um die weiteren Schritte zu besprechen: 06221-3432 125

Folgende Materialien können untersucht werden:

  • Wundabstrich
  • Blut mittels Blutkultur
  • Sputum, Bronchiallavage
  • Stuhl

Versendung von Untersuchungsmaterial

B. anthracis ist nach der Biostoffverordnung in die Risikogruppe 3 eingeteilt und somit muss bei gezielten Tätigkeiten mit diesem Erreger unter Sicherheitsmaßnahmen der Schutzstufe 3 gearbeitet werden. Zum Versand klinischer Proben zur Untersuchung auf Milzbrand muss die Verpackung aus drei Komponenten bestehen:

  1. Primärgefäß
  2. Sekundärverpackung
  3. Stabile Aussenverpackung

Verpackungs-, Versandauflagen:

Es muss gewährleistet werden, dass die Verpackung eine ausreichende Schutzwirkung gegen die bei der Beförderung unvermeidlich auftretenden Transportbelastungen aufweist (insbesondere nicht aufreißt oder aufplatzt) und keine Störungen im postalischen Bearbeitungsprozess verursacht. Für die unter UN 3373 (BIOLOGISCHER STOFF, KATEGORIE B) klassifizierten „Proben“ sind grundsätzlich mehrteilige Verpackungen zu verwenden.

Alle Sendungen müssen Name und Anschrift des Absenders und Empfängers tragen.

Die Sendungen sind auf der Außenverpackung deutlich und dauerhaft wie folgt zu kennzeichnen:

  • „Biologischer Stoff, Kategorie B“ und „Biological substance, Category B“
  • „UN 3373“ in Raute (Seitenlänge mind. 50 x 50 mm)
  • Telefonnummer einer verantwortlichen Person
  • Zusätzlicher Kennzeichnung für die Bauartprüfung der Verpackung siehe Abb.

    Weiterführende Informationen über: www.rki.de