Laborinformationen

Narkolepsie, genetischer Ausschluss

Narkolepsie ("Schlafkrankheit“, "Schlummersucht“) mit Kataplexie (teilweise oder auch vollständiger Verlust der Muskelspannung) kann genetisch mit hoher Sicherheit (negativer Vorhersagewert ca. 98%) ausgeschlossen werden. Dazu wird molekulargenetisch die DNS auf das Vorkommen bestimmter HLA (Humane Leukozyten Antigene)-Allele DRB1*15 und das DQ Allel DQB1*0602 untersucht.

Ist das Allele DQB1*0602 vorhanden, muss bei entsprechendem Verdacht, diese Krankheit mit weiterführenden Untersuchungen bestätigt werden.

Informationen zur Krankheit:

Narkolepsie ("Schlafkrankheit“, "Schlummersucht“) gehört zur Gruppe der Schlafstörungen (Dyssomnie), der eine neurologische Erkrankung des Schlaf-Wach-Rhythmus zu Grunde liegt. Sie äußert sich bevorzugt durch einen starken Schlafdrang, manchmal in einem ausgelösten Schlafzwang. In der Abgrenzung zum übermäßigen Schlaf (Hypersomnie) handelt es sich hierbei um eine systemische Störung, die nicht nur durch ein allgemein erhöhtes Schlafbedürfnis, sondern vor allem durch eine tiefgreifende Störung der Schlafrhythmik charakterisiert ist. Ursache der Erkrankung ist ein selektiver Verlust von Hypokretin (Orexin) produzierenden Neuronen des perifornikalen Hypothalamus verursacht.

Vorkommen: in Deutschland: ca. 40.000 Betroffene

Prävalenz: ca. 26-50/100.000 (=0,26-0,5 %) bei einer hohen Dunkelziffer, diagnostiziert davon ca. 4000 Menschen.

  • Bei ca. 98% aller Narkolepsie Patienten ist das DQB1*0602 positiv.
  • 98% der kaukasischen/europäischen DQB1*0602 Positiven haben den DR15-Haplotyp: DRB1*1501 – DQA1*0102 - DQB1*0602.

Liegt das Allel DQB1*0602 nicht vor, kann mit einer Wahrscheinlichkeit von ca. 98% davon ausgegangen werden, dass keine Narkolepsie (sondern evtl. eine andere Erkrankung) vorliegt bzw. entwickelt werden kann. Der Umkehrschluss darf aber nicht gemacht werden: DQB1*0602 liegt mit einem Anteil von ca. 25% in der Gesamtbevölkerung vor. Somit wird klar, dass weitere Risikofaktoren zur Entwicklung einer Narkolepsie vorliegen müssen. Ein DQB1*0602-Nachweistest hat einen niedrigen positiven Vorhersagewert aber einen sehr hohen negativen Vorhersagewert für Narkolepsie.

Die ebenfalls assoziierten Allele: DQA1*0102 und DRB1*1501 müssen nicht nachgewiesen werden, da diese nur im Kopplungsungleichgewicht („linkage disequilibrium“) auf einem Haplotyp mit DQB1*0602 assoziiert, vorliegen. Auch sind nur 60-70% der negroiden Individuen mit diesem DR15-Haplotyp assoziiert, tragen aber zu nahezu 100% ein DQB1*0602-Allel.

Untersuchungsmaterial: originalverschlossenes EDTA-Vollblut-Röhrchen

Literatur

  • Sleep Med. 2007 June; 8(4): 373–399. Nishino: „Clinical and Neurobiological Aspects of Narcolepsy“
  • Sleep Med Rev. 2008 April; 12(2): 95–107. Overeem et al.: „Narcolepsy: immunological aspects“
  • Am. J. Hum. Genet. 68:686–699, 2001. Mignot et al.: „Complex HLA-DR and -DQ Interactions Confer Risk of Narcolepsy-Cataplexy in Three Ethnic Groups“

Quelle: Literatur, modifiziert inno-train Diagnostik