Laborinformationen

TPMT–Thiopurin-methyl-transferase ein wichtiges Enzym bei der Entgiftung von Thiopurinen, die z.B. bei der Behandlung von Patienten mit Azathioprin entstehen.

Zur Situation

Azathioprin ist ein Medikament, das oft zur Behandlung von Morbus Crohn, Colitis ulcerosa oder rheumatischen Beschwerden eingesetzt wird. Wirksamer Metabolit ist hierbei das 6-Mercaptopurin, das allerdings auch für die meisten Nebenwirkungen verantwortlich gemacht wird, wenn das Verhältnis von Medikamentengabe und Metabolisierung gestört ist. Das hierfür verantwortliche Enzym ist die Thiopurinmethyltransferase (TPMT).
Das Enzym Thiopurinmethyltransferase (TPMT) ist ein cytosolisches Enzym, das die S-Methylierung aromatischer und heterozyklischer Verbindungen, wie bei Azathioprin oder Mercaptopurin, katalysiert. Aus Mercaptopurin entsteht dann das Methylthiopurin.
Bei ca.10% der Bevölkerung liegt eine heterozygote Schädigung des Enzyms vor, so dass eine Entgiftung von Mercaptopurin verzögert wird. Bei 0,3% liegt eine komplette Störung des Enzyms vor, so dass hier das unwirksame Methylthiopurin überhaupt nicht mehr gebildet werden kann.
Um Komplikationen bei der Behandlung mit Azathioprin oder Mercaptopurin auszuschließen, kann die TPMT-Enzymaktivität untersucht werden. Dies ermöglicht Aussagen über zu erwartende Nebenwirkungen.

Die Messung

Wir haben den Nachweis über HPLC (Flüssigchromatographie) etabliert. Die gewaschenen Erythrozyten werden dabei mit Mercaptopurin versetzt und bei 37°C inkubiert. Nach Auftrennung über eine Säule kann dann mithilfe eines Fluoreszenz-Detektors das gebildete Methylthiopurin nachgewiesen werden.

Referenzbereich:

>20 nmol/gHb*h normale Enzymaktivität
10-20 nmol/gHb*h heterozygote Schädigung des Enzyms
<10 nmol/gHb*h homozygote Schädigung des Enzyms

Probenmaterial: 1 ml EDTA-Vollblut (nicht Tieffrieren!).

Literatur: Eur J Clin Pharmakol. 54 (1998): 265-271