Laborinformationen

Merkblatt Tropheryma whipplei (M. Whipple)

Erreger:Tropheryma whipplei (früher T. whippelii), der Erreger des Morbus Whipple, ist ein kleines (0,2 bis 2 µm) grampositives Stäbchen, das phylogenetisch der Großgruppe der Actinomycetales zuzuordnen ist.

Vorkommen und Klinik: Erstmals wurde der Morbus Whipple 1907 von dem amerikanischen Pathologen G.H.W. Whipple beschrieben. Es handelt sich um eine seltene chronische Systemerkrankung. Klinisch manifestiert sich die Krankheit als intermittierende Arthralgien über mehrere Jahre, gefolgt von Diarrhoe, Gewichtsverlust und abdominellen Beschwerden. Weitere häufige Symptome sind abdominelle und periphere Lymphadenitis, Hyperpigmentierung und leichtes Fieber. Seltener finden sich zentralnervöse Störungen (z.B. Paresen, Demenz) und Endokarditis. Auch Persönlichkeitsveränderungen wurden beobachtet. Unbehandelt ist die Prognose infaust.

Reservoir: Der Mensch scheint der einzige natürliche Wirt von T. whipplei zu sein. Versuche, die Krankheit auf Tiere zu übertragen, schlugen ebenso fehl wie die Kultivierung auf künstlichen Nährböden. Darüber hinaus zeigen Untersuchungen, dass der Erreger in der Umwelt verbreiteter ist, als bisher angenommen. So konnte T. whipplei in zahlreichen Wasserproben aus Kläranlagen zweifelsfrei nachgewiesen werden.

Infektionsweg: Vermutlich oral (z.B. durch kontaminiertes Wasser) und fäkal-oral.

Diagnostik: Klinisch wird die Verdachtsdiagnose aufgrund der Leitsymptome Gewichtsverlust, Diarrhö, Polyarthritis und Bauchschmerzen gestellt. Die klassische histologische Diagnostik (Perjodsäure-Schiff-Färbung, PAS) wird zunehmend durch die ungleich sensitivere Polymerase-Kettenreaktion (PCR) und anschließende Sequenzanalyse ersetzt, wie wir sie in unserem Labor durchführen. Geeignete Materialien sind Darmbiopsie beim klassischen intestinalen M. Whipple und Liquor bei ZNS-Beteiligung. Die Eignung von EDTA-Blut wird kontrovers diskutiert, nach unserer Erfahrung ist davon eher abzuraten.

Therapie: Mittel der Wahl ist Cotrimoxazol (2 x 0,96 g/d p.o. über ein Jahr). Alternativ können Penicillin und Ceftriaxon eingesetzt werden.

Literatur:
Dutly F und Altwegg M. Whipple's Disease and "Tropheryma whippelii". Clinical Microbiology Reviews 14 (2001); 561-583

Ansprechpartner: Dr. rer. nat. M. Hengstler, Tel. 06221 - 3432 - 194